Orion Effekte

18. März 2018

Orion Effekte Dakota Red Twangtone

„Es gibt Möglichkeiten für mich. Aber unter welchem Stein liegen sie?“ 

So schrieb Franz Kafka 1914 in "Tagebücher". Offenbar meinte er damit, dass man irgendwann schon findet, was man lange genug sucht.

Der würde sich wundern, der alte Franz. Heute brauchen wir schon viele Steine, um die unendlich vielen Möglichkeiten darunter zu verstecken, weil man sonst gar nicht mehr in der Lage ist, aus den in im ständigen Trommelfeuer auf uns eindreschenden Informationen die passenden herauszufiltern.

Sicher dachte der Dichter damals nicht an FX-Pedale.

Effekt-Pedale!

Eines meiner Lieblingsthemen. Bleiben wir dabei.

Grenzen erweitern den horizont

Ich habe es längst aufgegeben, all die verschiedenen Angebote zu durchforsten, wenn ich ein neues Pedal brauche. Ich habe mir die Menge meiner Möglichkeiten schon lange auf eine erträgliche Anzahl begrenzt. Wie das? Ganz einfach. Ich habe mir einen zerebralen Filter eingebaut, sozusagen.

Das Ergebnis: Ich kaufe nur noch bei einigen wenigen Händlern und Herstellern, mit denen ich schon gute Erfahrungen gemacht habe oder die ich persönlich kenne. Bei Pedalen sind das im Wesentlichen die Effekt-Boutique, Orion-FX, Vahlbruch und noch so ein paar Leute, die ich aus den Facebook-Gruppen kenne. Bremerklang zum Beispiel. Damit wird die Suche nach dem richtigen Pedal ganz einfach, denn jeder dieser Leute hat so seine speziellen Schwerpunkte, ich weiß, bei wem ich was am besten bekomme. Das ist für mich keine Einschränkung, sondern eine unglaubliche Erleichterung. Noch dazu sichert mir diese Methode ab und zu einen Kaffee bei Jan v. Triest oder einen Lolli von Andy Ebsen.

 Und manchmal werde ich total überrascht.

 Wie zum Beispiel neulich, als ich Jan Van Triest anrief, um mich mit ihm zu verabreden.

 Ich: „Hi, Jan, ich fahre nach Hamburg. Kann ich auf dem Hinweg auf einen Kaffee vorbeischauen?“ Er:“Oh ja, klar, dann kannst du gleich mein neues Reverb testen:“ Welches Reverb? Kenne ich gar nicht“.

„Ja“, sagt er, „Das gibt es ja auch erst im April. Aber ich habe hier den Prototypen“.

 Aha, Überraschung, ein Erlkönig. Da freue ich mich drauf.

Also stehe ich Anfang März bei eisigem Wind und tiefgrauem Himmel in Osnabrück bei Jan van Triest vor der Tür. Ich hatte Jan schon auf der ersten Pedal-Show in Osnabrück getroffen. Er hatte damals, wie ich finde, den schönsten Stand der Show. Sein Distortion General war gerade neu erschienen. Leider hatten wir wenig Zeit für einen Klönschnack.

Später hatten wir immer wieder mal miteinander zu tun. Kleinere und größere Geschäfte und

Tauschereien. Endgültig zum Orioniken wurde ich durch das Dakota Red. Das ist für mich nach wie vor ungeschlagen.

Und nun also auf in die warme Stube des Orion-Imperiums. Genauer gesagt in den Bastelkeller des Herrn van Triest, aber auch warm. Und mit Kaffee. Klasse.

Ich sehe mich neugierig um. Ein

Kellerraum eben. Hell, ein paar Gitarren und Verstärker, eine Werkbank, einige Kartons mit Zeugs. Wir haben schon wieder wenig Zeit, denn ich bin am Morgen in Köln losgefahren, die Fahrt dauerte bei dem Winterwetter länger als geplant, und Jan muss um 13:30 schon wieder los. Zur Arbeit. Erstaunlich, nicht wahr?

Hätte ich gar nicht gedacht. Jan ist Tontechniker beim Theater. Ich hätte erwartet, dass Jan schon lange nur noch Pedale baut und ein riesiges Imperium führt. Immerhin hat er ja einige zur Auswahl, und Custom-Order kommen auch immer wieder dazu. Das will ja alles irgendwann erledigt werden, und man muss nie lange auf seine Bestellungen warten. Aber „Die Pedale“, sagt er „sind eher ein bezahltes Hobby“. 

Jedenfalls hocken wir da in seiner Werkstatt, trinken Kaffee, sabbeln ein wenig über Gitarren, Pedale, Facebook-Gruppen und so weiter.

Entspannter Smalltalk. Dabei horche ich ihn natürlich völlig unauffällig, wie ich finde, über sein Leben und Werken aus. Jan erzählt aber auch freimütig: Verheiratet, zwei kleine Kinder, der Job im Theater, und eben die Pedale. Es war so schön entspannt, darum habe ich viele typische Fragen einfach vergessen zu stellen. So etwas wie: Warum Pedale, was

sind deine Ziele uns so. Sogar das Fotografieren habe ich fast vergessen. Ich muss wohl nochmal zum Orion reisen.

Der Erlkönig

 

Ich denke die ganze Zeit, dass Jan ja nun bald mal von seinem neuen Reverb zu erzählen anfängt, aber Pusteblume. Als wolle er nicht zu dick auftragen hält er sich ganz bescheiden zurück. Ich frage ihn also selbst: „Was ist denn nun mit dem neuen Reverb?“

 Jetzt ist es vorbei mit der Zurückhaltung. „Hier ist es!“ (zeigt mir einen kleinen, naturfarbenen Alukasten) Und hier Bypass, und Effekt-Loop, und Tone, und hier der Feedback-Regler. Ich bin nur ein kleiner, doofer Gitarrist. Einige dieser technischen Ausführungen verstehe ich einfach nicht. Aber wieso Feedback? Das kannte ich bisher nur vom Delay. Jan erklärt und dreht an den Knöpfen und steckt Kabel hier und da, ich sage: “Warte mal kurz, ich hole eben meine Gitarre aus dem Auto. Ich muss das testen“. Schnell die Slide-Gitarre angeschlossen. Nur Gitarre, Reverb und Amp. Ich glitsche ein wenig mit dem Bottleneck herum, Jan dreht wieder Knöpfe und steckt Kabel. Plötzlich ist da genau dieser Sound. Dieser immer gesuchte, stets nur beinahe getroffene Wohlfühl- und Dahinschmelz-Sound. Sehr hallig, aber kein bisschen schepperig. Ganz und gar nicht dezent, aber dennoch unaufdringlich. Surfig, twangig, von Pedal-Steel bis Ry Cooder. Der Hammer. Jetzt verstehe ich auch den Feedback-Regler. Während ich so vor mich hin schmelze, macht Jan ein paar Video-Aufnahmen. Seht euch das Video ruhig nochmal an. Dann brauche ich mich nicht weiter über den Sound auszulassen.

 

Jan und ich probieren noch eine ganze Weile zufrieden das Reverb, einige Overdrives aus Jans Schubladen. Ich teste endlich mal den Distortion General und das Motor Fuzz Deluxe. Wollte ich schon lange mal machen.

Wir unterhalten uns darüber, wie schwer es geworden ist, solche Produkte auf dem Markt zu platzieren und stellen fest, dass der Pedalmarkt gerade selbst seine eigenen  Deiche

zum Überlaufen bringt. Konkurrenz ist gut, aber die Szene wird zurzeit mit einer solchen Übermenge an Pedalen überschwemmt, dass man gut von „Absaufen“ reden kann.

Ob es denn Sinn macht, gerade  jetzt noch ein Reverb auf den Markt zu werfen? Ja, wann denn sonst? Stimmt auch wieder. Und warum auch nicht?

Es gibt gar nicht so viele Reverbs made in Germany. Das Vahlbruch Pipeline, das sehr edel einen stets gediegenen Hall zaubert und dazu mit dem genialen Booster punktet. Es sitzt bei mir an letzter Stelle der Signalkette. Und sonst noch? Ich meine, Made vor der Haustür. Genau: Nichts. Es mag noch das ein oder andere Teil für die ganz speziellen Sounds geben, die aber überhaupt nicht in mein Beuteschema passen wollen. Vielleicht auch eins, das ich einfach noch nicht kenne. Und nun, demnächst frisch aus dem Ofen, das Reverb von Orion-FX. Das passt.

Das passt auch ganz hervorragend zum Pipeline, denn das Orion ist ganz gewiss nicht gediegen oder edel.

Vielleicht so: Das Orion Reverb kann zwar auch dezent, aber für mich fängt es da an, wo das Pipeline aufhört. Das heißt, ich habe sozusagen eine zweite Hallstufe per Knopfdruck parat. Genial.

Für das, was das Orion Reverb kann, brauche ich sonst das Pipeline und ein dezentes Delay und viel Geduld für eine irre  Kurbelei an allen Reglern.

Außerdem reicht mir das Reverb zusammen mit dem Dakota Red als Mini-Board für die kleine Session zwischendurch.

Die zwei Stunden bei Jan van Triest gingen leider ziemlich schnell vorbei.

Ach ja, auch beeindruckend, irgendwann klingelte es an der Haustür, ein Paket wurde geliefert, das Jan sofort mit sichtlicher Freude auspackte (Jan voll unboxing und so).

Es waren die Siebdruckplatten für die Beschriftung des Reverb. Die Pedale aus dem Hause Orion werden auch alle einzeln in Handarbeit lackiert und bedruckt.

Pedale aus Leidenschaft eben.

 

Vielen Dank fürs Lesen

Dein Jansson