Die Effektboutique

12.Februar 2017

 

Von Effekten und veganen Gitarrengurten

 

Wenn man nach dem passenden Effektpedal sucht, kann man natürlich im Internet stundenlang allseits bekannte Videos durchforsten, Soundfiles anhören, Bewertungen lesen, in Foren diskutieren.

Davon wird man keinesfalls dümmer, unterhaltsam ist es allemal.

Wie hilfreich diese Methode ist, muss letztlich jeder für sich entscheiden.

Man kann auch bei den allseits bekannten Onlinehändlern jede Menge Pedale bestellen, diese in Ruhe testen und den Ausschuss kostenfrei zurück schicken.

Die Paketdienste, die Verpackungsindustrie und die Umwelt werden es danken.

Oder man geht gleich zur Effekt-Boutique.

 

Die Effekt-Boutique

 

Der Name geistert immer wieder durch entsprechende Foren. In den Social Media Gruppen wie zum Beispiel „Pedalboard“ in Facebook ist der Name ein fester Begriff.

In persönlichen Gesprächen mit Musikern heißt es irgendwann stets:

„Gehst eben zu Andy“.

 

Wer ist Andy? Was ist die Effekt-Boutique?

 

Das kann ich euch erzählen, denn ich war schon oft Gast in der Boutique.

Beim letzten Besuch habe ich Andy etwas ausführlicher zur Boutique befragt. Es war ein großartiger, entspannter und informativer Vormittag.

Lest selbst.

Andy Ebsen wurde 1974 in Schwaben geboren. Dabei schwäbelt er kein bisschen. Wenn man ihn sprechen hört, könnte man ihn fast für einen Fischkopp halten, was ich als Hamburger absolut als Kompliment meine.

Er ist verheiratet, Vater eines fast achtjährigen Sohnes.

Seit 2010 betreibt Andy die Effekt-Boutique auf den Fildern, einer recht ländlichen Gegend südöstlich von Stuttgart.

Die Frage: „Warum Pedale?“ beantwortet Andy klar: „Passion. Weil es Spaß macht“.

Man glaubt es ihm sofort.

Hier trifft man auf einen Menschen, der genau da ist, wo er sein will. Der das, was er macht, mit Leidenschaft und Begeisterung macht.

Da Andy Inhaber und einziger Mitarbeiter in einer Person ist, gerät man nie an irgendeinen lustlosen, unterbezahlten Verkäufer. Man hat immer mit Andy persönlich zu tun. Ob im Laden, am Telefon oder online.

 

Die Leute nicht zwischen Tür und Angel abfertigen

 

„Laden“ mal anders, denn es gibt keine regelmäßigen Öffnungszeiten. Man vereinbart einen Termin, und dann hat Andy auch tatsächlich ausschließlich für diesen einen Kunden Zeit. Telefonate werden in dieser Zeit mit „Ich rufe zurück“ kurz gehalten, es werden zeitgleich keine weiteren Termine angenommen.

Die durchschnittliche Verweildauer eines Kunden im Laden schätzt Andy auf 3,5 Stunden. Der Rekord läge bei ca. 9,5 Stunden, erzählt er.

„Aber die Leute haben ja teilweise auch 5-6 Stunden Anfahrt hinter sich. Da kann ich die ja nicht zwischen Tür und Angel abfertigen“.

Ein Telefonat mit dem Chef der Boutique kann auch mal recht lange dauern. Wenn Kunden nicht vorbei kommen können, muss man eben am Telefon gemeinsam herausfinden, worum es geht. Das ist dann ebenso in Ordnung.

Ob es manchmal Probleme mit Kunden oder Problemkunden gäbe, wollte ich wissen. „Nein, absolut nicht. Es gibt Kunden, die einen etwas höheren Pflegebedarf haben. Aber das mache ich dann auch gerne“ war die eindeutige Antwort.

„Pflegebedarf“ finde ich super. Wenn Verkäufer und Dienstleister sich als Kundenpfleger sehen würden, wäre die allgemeine Servicelandschaft vielleicht eine nicht ganz so verdorrte Wüste.

Mit dem Besuch in der Effekt-Boutique läuft das ungefähr so:

Ich rufe an und sage: „Ich brauche ein Delay, aber ich habe keine Ahnung, welches.“ Andy klopft dann noch ein paar Eckdaten ab, um die ungefähre Richtung zu klären, denn „Delay“ ist ja doch ein weites Feld.

Alles klar.

Als ich bei ihm aufschlage, hat Andy schon alles vorbereitet. Meine Gitarre bringe ich mit, könnte aber auch aus dem Fundus der Boutique schöpfen.

„Kaffee gefällig?“ „Klar, gerne“. Auf dem roten Sofa kurzer Klönschnack über das Wetter. Thema Delay. Die Dinger liegen schon parat. Erklärungen, Fachsimpelei, noch etwas Smalltalk.

Dann geht es weiter in einen Raum hinten im Gebäude. Die Delays werden angeschlossen, Amps gibt es dort genug. Andy lässt mich nach einer Einweisung in alle Probanden allein. In aller Ruhe probieren, vergleichen. Nach vorn zu Andy, noch zwei Kandidaten dazu holen. Wieder testen. Nochmal probieren.

Das dauert seine Zeit, klar.

Irgendwann habe ich mich entschieden. Wieder vor zu Andy.

„Das ist es, dieses hier hätte ich gerne“ verkünde ich und lege das Delay meiner Wahl auf

den Tisch.

Ein kleiner Verstärker hat meine Blicke auf sich gezogen, Den hatte ich vorher noch gar nicht bemerkt. „Oh, was ist das denn?“

Andy erzählt über den Verstärker und schließt ihn schon mal an.

„Kann ich aber sowieso nicht kaufen“ sage ich.

„Aber probieren“ sagt Andy.

Also noch ein wenig testen und daddeln. Einen zweiten Amp auch noch schnell probiert, es sind fast 3 Stunden vergangen.

 

Der Luxus, seine Passion leben zu können

 

Die Möglichkeit, sich so intensiv um jeden einzelnen Kunden kümmern zu können, bezeichnet Andy als puren Luxus. Leisten kann er sich den, weil das meiste per Versand läuft. Bestellen kann man telefonisch und über den Online-Shop.

Wahrscheinlich klappt es auch, wenn man ihm einen Post-It an die Tür klebt. Habe ich aber noch nicht probiert.

Der Online-Shop der Effekt-Boutique ist wohl den meisten Lesern bekannt, ein Blick lohnt immer, denn es gibt oft Sonderangebote, Neuheiten und jede Menge Infos.

Ich benutze den Katalog gerne als Nachschlagewerk und Datenbank.

Das Angebot im Shop ist recht groß. Neben Effekten gibt es Amps, Gitarren, Zubehör, Ersatzteile. Was man eben so braucht. Alle Artikel gibt es auch im Laden zu kaufen.

Was nicht gelistet ist, kann Andy meist besorgen. Einfach fragen.

Wenn ein Artikel in das Sortiment aufgenommen werden will, muss er erst durch Andys Kontrolle. Entschieden wird nach Bauchgefühl.

„Einen Artikel, der mir nicht gefällt, kann ich nicht mit gutem Gefühl verkaufen“ sagt der Chef.

Da ist sie wieder, die Sache mit der Leidenschaft und dem Herzblut.

Am Ende des Tages sei es nicht primär wichtig, ob das Pedal verkauft wurde.

„Am Ende des Tages zählt nur, dass es Spaß gemacht hat“.

Natürlich muss Andy auch Pedale verkaufen, die Familie soll schließlich ernährt werden. „Reich wird man damit nicht, aber es lässt sich ganz gut leben“, erzählt er.

So muss es wohl sein, denn die meisten Kunden kaufen immer wieder bei ihm ein.

Und alles ohne aggressive Werbung, Mainstream oder Dumping-Preise. Nur mit Mund-zu Mund-Propaganda. Tja, so geht es also auch.

 

Nach 10 Jahren als Musiker in Berlin und zahlreichen Veröffentlichungen, Bands und Touren geht es nun musikalisch etwas ruhiger zu. Andy hat mir erzählt, dass es seine erste Band aus den 90ern wieder gibt. Nach 15 Jahren Pause. „Aber nur zum Spaß. Kein Fulltimejob mehr“. Das erlaube sein voller Terminplan sowieso nicht. Die Band heißt „The Retired“, und ich vermute, die Musik wird von Andy genauso zelebriert wie die Effekt-Boutique.

Als Gitarrist weiß der Mann, worum es geht, und er kann die Bedürfnisse seiner Kunden schnell einschätzen.

Bei Gitarristen also kein Problem, aber manchmal kommen auch Kunden zu ihm, von deren Instrument er so überhaupt nichts weiß. Einmal kam ein Geiger , der wenig Ahnung von Effekten hatte, während Andy wenig bis gar keine Ahnung von den Bedürfnissen der Streicher hatte. „Das war dann mal richtig spannend, und am Ende des Tages waren wir beide überrascht“. Die Augen leuchten, das Gesicht grinst breit, und er hüpft ein wenig beim Erzählen.

 


Jetzt wäre es wohl eine schöne Idee, euch an dieser Stelle über einzelne Effekte zu berichten, aber das würde diesen Rahmen sprengen. Es sind zu viele.

Auf diesem Foto seht Ihr ein orangenes Pedal, das gerade angeliefert wurde. 

„Oh, ein Prototyp! Gleich mal probieren“. Wir haben ausgiebig probiert, aber ich darf zu niemandem darüber sprechen. Ein bisschen Geheimnis muss auch sein.

 

Vielleicht konnte ich euch ein wenig zeigen, was die Effekt-Boutique zu einem so einem so besonderen Ort macht.

Es sind nicht nur die vielen tollen Pedale, die außergewöhnlichen Verstärker oder die schönen Gitarren.

Es ist Andy Ebsens unnachahmliche Art, mit der er kompetent, freundlich und unaufdringlich seine Begeisterung für jeden einzelnen Artikel aus seinem Angebot zeigt, diese auf den Kunden überträgt, und dabei jedes Gespräch mit interessierten Leuten genießt.

 

Vom 8. bis 10. September 2017 könnt Ihr Andy Ebsen live auf der Guitar Summit in Mannheim erleben, wo er mit einem Stand die Effekt-Boutique präsentieren wird.

Wer nicht bis Stuttgart fahren will, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Mein Tipp: Fragt ihn nach den „veganen Gitarrengurten“.

Kein Spruch, die sind extraordinär, und es steckt eine tolle Idee dahinter.

Gibt es aber nicht im Online Shop. Nur persönlich zu beziehen.

 

Vielen Dank fürs Lesen,

ich hoffe, ihr hattet Spaß dabei.

Euer Jansson


Hier gibt es den direkten Draht zum Paradies aller Pedaleure und einen kurzen Gruß an meine

Lieblings-Facebook-Gruppe  "PEDALBOARD"  

 

Vielen Dank Andy, es hat einen riesen Spaß gemacht