Benzville Guitars

1 Mai 2017

Neulich in Benzville. Zu Gast bei René Asch

 

Der Besuch in den unendlichen Weiten der Hallen in Treppendorf oder Ibbenbüren ist sterbenslangweilig gegen einen Besuch zum Beispiel bei Benzville Guitars in Stuttgart.

Ganz sicher.

Oder könnt ihr nach der 50sten 08/15 Tele noch entscheiden, welche die bessere ist? Konntet ihr die Gitarren überhaupt in Ruhe probieren, oder shredderten neben euch im selben Raum zwei langhaarige Headbanger um die Wette? Ihr wisst, wovon ich spreche.

 

 

Musik machen, Haare schneiden und Gitarren

 

Benzville Guitars. Den Namen hatte ich schon mal gehört, und auf der Suche nach Interview-Partnern für Janssons Gitarrentalk wurde mir René Asch empfohlen. Eben der René von Benzville. Also habe ich mich mit ihm verabredet und ihn an einem Sonntagnachmittag im April 2017 besucht. In seinem „Privaten, kleinen Show Room“ in der Nähe von Stuttgart wurde ich von ihm erwartet und mit einer Tasse Kaffee empfangen.

Ist doch wahr: „Schön, dass du da bist. Möchtest du einen Kaffee?“ ist viel netter als „Vielen Dank, ihre Bestellung wird bearbeitet“.

René und ich sind dann gleich in einen gemütlichen Kellerraum, in dem ein Arbeitstisch, ein kleiner Kaffeetisch und ein paar Amps stehen, und jede Menge Gitarren. Sein Showroom.

Da hockten wir dann die nächsten Stunden, befummelten die Gitarren und haben dabei ganz entspannt über die Instrumente gefachsimpelt und über Musik und Musiker getratscht.

Wie unsere Frauen im Schuhladen. Oder beim Frisör.

„Noch einen Käffchen?“ ."Och ja, gerne"

Wie schon die Herren von Effekt Boutique und Felleretta vor ihm fing auch René gleich zu erzählen an. Er sei Baujahr ´58, in Schwaben geboren, Vater eines Sohnes, verheiratet, Frisör. Moment mal, das ist ungewöhnlich. „Frisör?“ frage ich nach. „Ja“ antwortet René. „Aus Passion, und immer noch gerne“. Offen gestanden kenne nur wenige Musiker, die Frisör sind. Eigentlich nur René. Der sagt, beides sei ähnlich. Es gehe bei Musik genauso wie beim Haareschneiden um Details, um Schönheit, um Leidenschaft und um Freude an dem, was man gerade macht. Musik machen, Haare schneiden und Gitarren bauen sei alles ein Dienst am Kunden. Eben Kunden mit unterschiedlichen Wünschen. 

 

 

Nicht nur Gitarren stehen auf dem Programm

 

Seine Liebe zur Gitarre begründet René mit der der alten Hopf Jupiter 63, die er von seinem Onkel geerbt hat. Auf der hat der Onkel früher gespielt und wurde so zum Vorbild für René.

Beruflich bedingt war musikalisch wohl anfänglich eine ganze Weile Sparflamme angesagt im Hause Asch. Er hätte schon einige Sachen gemacht, unter anderem als Punk DJ aufgelegt, erzählt René, aber richtig losgegangen mit dem Gitarrenspiel sei es erst wieder, als er in einem Schaufenster eine Strat sah, die ihm seine Frau kurze Zeit später zum Geburtstag schenkte.

Darauf hin hat er sich zum ernsthaften Sammler von Vintage Gitarren aus USA  entwickelt, und durch seine Hände gingen unzählige Instrumente, die er alle in Deutschland weiterverkaufte. So erarbeitete er sich ein großes Wissen über die Materie, Verbindungen und Freundschaften zu Händlern und Musikern in aller Welt entstanden.

Als Country Fan fliegt René einmal jährlich, am liebsten an seinem Geburtstag, nach Nashville, um diese Verbindungen zu pflegen, Musik zu hören, Musiker zu treffen und Freude am Leben zu haben. Beim Schwärmen von Nashville und Erzählungen seiner Erlebnisse dort im Mekka der Country Musik verneigt René sich grinsend vor einem riesigen Johnny Cash Portrait, das über seinem Arbeitstisch thront. 

Renés bevorzugte Gitarre war anfangs die Paula, aber als er anfing, in einer Country Band zu spielen, dachte er, jetzt müsse wohl eine Tele her. Eine lange Suche begann.

Irgendwann tat er sich dabei mit Lupos Rockshop in Stuttgart zusammen, irgendwann entwickelte sich dabei Benzville Guitars als Marke von Lupos Rockshop. Ich habe es nicht genau aus René herauskitzeln können, wie nun genau was angefangen hat mit Benzville Guitars. Es scheinen viele Ideen aus geselligen Bierlaunen heraus entstanden zu sein, die dann tatsächlich verwirklicht wurden. Nicht nur Gitarren stehen auf dem Programm. Es wurde auch ein Benzville Amp entwickelt, der es in kleiner Auflage angeboten wird.

Das Kraut 1 ist ein Booster, der es zu einiger Berühmtheit beidseits des Atlantiks gebracht hat. René hat zu all diesen Entwicklungen und Ideen unendlich viele Geschichten parat, die er mit seiner tiefen Stimme und unschwäbischer Gelassenheit zum Besten gibt. In der Beschreibung seiner eigenen Rolle bleibt er dabei sehr bescheiden.

 

Man kann nicht aufhören, diesen Hals anzufassen

 

Alte Geschichten hin oder her, ein genauerer Blick auf diese Gitarren lohnt sich auf jeden Fall, denn sie sind wahre Schmuckstücke, jede ein Unikat und von erlesener Qualität. Die Instrumente werden aus sorgfältig ausgesuchten Teilen zusammengebaut, die anfänglich weitgehend aus den USA importiert wurden, inzwischen aber zunehmend auch europäischen Ursprungs sind. Je nach Bedarf und Möglichkeit.

Die Montage der Gitarren erfolgt im Rockshop, Finish und Feintunig übernimmt meist René. Hier offenbart die Ausbildung zum Frisör ihre Vorzüge, denn was René wirklich gut kann, ist „die Sache mit den Farben“. Das lässt sich am Beispiel einer Burst Tele sehr gut erkennen. Die sieht wirklich herrlich aus. Aus der Auswahl der Farbtöne und dem geschmeidigen Verlauf vom dunklen Rand zum hellen Strahlen in der Mitte spricht die Meisterschaft des gelernten Coiffeurs. 

Solange der Kunde nicht eine PU-Lackierung ordert, wird mit Wudtone gearbeitet, einer Mischung aus Ölen, Wachsen und Lack, die mit dem Pinsel aufgetragen und dann poliert wird. Ich hatte von diesem Finish vorher schon gelesen,aber noch nie eine damit behandelte Gitarre gesehen. Die Oberfläche fühlt sich versiegelt und geschützt an, aber das Holz ist deutlich in seiner Lebendigkeit zu spüren. Es ist glatt, aber keineswegs klebrig wie Lack. Auch nicht stumpf wie Wachs oder faserig wie rohes Holz. Die Gitarren fühlten sich sofort einfach „richtig“ an. Schwer zu beschreiben. Solltet ihr euch unbedingt mal ansehen. 

Das Finish der Hälse ist anders aufgebaut als das für die Bodies. Es schützt das Holz auf andere, seiner Belastung angepassten Weise, und es fühlt sich anders an. Allein wegen dieser großartigen Finishes könnte ich René seinen Keller leer kaufen.

Der Meister sagt, er hätte das Gefühl,  Wudtone täte dem Holz irgendwie gut. So ist es wohl.

Natürlich ist das Finish nur die halbe Miete. René bearbeitet akribisch selbst die kleinsten Details. Er sagt: „Es kommt auf jede Kleinigkeit an, die Summe aller Einzelheiten ergibt das Gesamte, darum muss Alles stimmen“. 

René feilt, schmirgelt, poliert, glättet...Es muss Stunden dauern. Tage, wenn man das Aushärten des Lackes dazu rechnet. Das Ergebnis sind Gitarren, die in der Hand liegen, als seien sie genau dort hinein gebaut worden. Und wirklich, es ist jedes Fitzelchen genau bedacht und bearbeitet. „So muss sich ein Sattel anfühlen“ grinst René stolz, und als ich das prüfe, spüre ich genau was er meint. Nichts. Keine Kante, keine Ecke, es steht nichts vor, es ist nichts eingefallen, es passt hundert prozentig.

Als meine Hand den Hals einer schönen Cabronita entlangfährt, fühle ich die sorgfältig verrundeten Bünde, die warme Rückseite des Halses mit dem glatten Holz, von dem trotz Versiegelung jede Pore spürbar ist. Spontan fällt mir das Wort „Handschmeichler“ dazu ein. Man kann irgendwie gar nicht aufhören, diesen Hals anzufassen.

Ich bin stolzer Besitzer einer Duesenberg 52 Senior, die sich wirklich toll anfühlt. Sie ist ebenfalls schön gearbeitet, die geplekten Bünde lassen sich sauberst spielen. Die Gitarre ist über jeden Zweifel erhaben, aber mit den Benzvilles, das muss ich ganz deutlich sagen, kommt sie nicht mit. Das gilt für alle Benzvilles, die ich bei René testen durfte. Diese Gitarren scheinen den Spieler förmlich zu umgarnen. Sie kuscheln sich an.

Sie haben einen tollen Vibe, Voodoo, Mojo. Ich neige dazu, Gitarren zu vermenschlichen, und das ist mir bei den Benzvilles in besonderem Maße passiert. Sie sind inspirierend, gleichzeitig neu und vertraut. Sie leben.

 

Wir schrauben ja bloß zusammen. Ja, nee, is klar

 

Wenn nun ein Kunde so eine Super Gitarre haben will, geht er zu Lupos Rockshop, wo er sich ein fertiges Instrument aus dem Fundus heraussuchen kann. Oder er weiß noch nicht so genau, was er braucht. Dann wird eine gründliche Anamnese vorgenommen, um erst mal herauszufinden, was der Kunde denn überhaupt so für Vorstellungen hat. Sound, Musikrichtung, Art der Gitarre, Geldbeutel...

Auch hier ist jedes Detail wichtig und wird berücksichtigt.

 Nach in der Regel 10-12 Wochen kann er seine Traumgitarre dann abholen.

Wird eine PU- oder gar Nitrolackierung geordert, dauert es etwas länger.

Auch ein Aging ist möglich, aber ich habe schon gemerkt, dass René nicht gerade ein Fan der künstlichen Alterung ist. „Wie ein abwaschbares Tattoo“ kann man auf der Benzville Site lesen. Tatsächlich fühlen sich die Instrumente durch das Wudtone Finish an wie schon seit Jahrzehnten sorgfältig  gespielt. Da braucht man kein Aging. 

Zu Nitrolackierungen hat René auch so seine eigenen Ansichten, aber natürlich sind sie bei Benzville trotzdem möglich.

Überhaupt scheint nichts unmöglich im Hause Benzville. Man kann seine individuelle, maßgeschneiderte Gitarre ordern, zusammengestellt aus genau den Komponenten, die man sich wünscht. Die Teile werden besorgt und das Instrument wird gebaut. „Isch koi Hexewerk“ sagt René grinsend.

 

Inzwischen sind neben Tele und Strat auch Gitarren mit geleimten Hälsen erhältlich. Darf es vielleicht eine Mischung aus Tele und Paula sein? Auch kein Problem.

 

Witziger Weise sieht René sich nicht als Gitarrenbauer. „Nee nee, wir schrauben ja bloß die Teile zusammen“ wehrt er ab. Aber ganz ehrlich, ob der Bodie nun bei Neumond von spanischen (oder mexikanischen) Jungfrauen gesägt und gefräst würde, oder ob er von der gut eingerichteten CNC-Fräse eines versierten Arbeiters hergestellt wurde, ist ja eigentlich wurscht. Die Teile müssen aus gutem Material sein und sie müssen passen. Ob daraus ein tolles Instrument wird, hängt schlussendlich von der Arbeit des Monteurs ab, der weiß, was er tut und sich mit Zusammenbau, Finish und Setup viel Mühe gibt.

 

Aber ob nun Gitarrenbauer oder nicht, René sagt: „ Gott sei Dank lebe ich nicht vom Gitarrenbau und kann es mir leisten, die Sache mit Liebe und Leidenschaft zu betreiben, ohne Kompromisse aus finanziellen Gründen machen zu müssen“.

Punkt.

 

Mein Rat ist, dass ihr euch auf jeden Fall eine Benzville Gitarre anschauen solltet. Am besten direkt bei René. Oder in Lupos Rockshop.

Wenn ihr mehr über Renés musikalisches Wirken wissen wollt, schaut bei

The Caverns und bei Tennesse Roadkill rein.

 

 

Vielen Dank fürs Lesen

Euer Jansson