Vahlbruch Opto Trem , MagTrab

                                                                                                                                          18. August 2019

Vahlbruch Quantum

Compressoren sind ein Thema für sich. Man will sie nicht unbedingt brauchen, weil sie ja so viel Dynamik klauen, so richtig zu hören ist ihre Wirkung auch nicht, aber wenn man sie ausschaltet ist es auch wieder nicht gut. Ich habe schon wirklich viele Modelle probiert.

Mit dem aktuellen Vahlbruch Quantum wollte ich einen letzten Versuch wagen und dann die Suche nach dem für mich passenden Compressor beenden. Was soll ich sagen? der Versuch war eindeutig erfolgreich. 

Es gibt einige Dinge, die das Quantum besonders machen. 

Zum Beispiel ist da natürlich der MagTrab Fußtaster. Lautlos, mit der richtigen Federkraft ausgestattet, unkaputtbar. 

Außerdem kann man per Kippschalter zwischen Seriell und Parallel Modus wählen. Zusammen mit dem Compression/Sustain Poti bleiben an Einstellmöglichkeiten keine Wünsche unerfüllt. Von sehr eng bis ganz weit offen ist alles möglich.

Das Verhältnis von Dry und Wet im Parallel Modus ist nicht einstellbar, aber Henning hat da mal wieder ein sehr gutes Händchen für das rechte Maß bewiesen. Das Quantum unterstützt mich ein wenig, beim Sliden den Ton lange zu halten, lässt aber trotzdem eine schön dynamisches Begleitung zu. Ich hasse es , wenn beim Fingerpicking alle Töne gleich laut klingen. Die Bässe müssen knackig sein, die Melodien der höheren Saiten müssen deutlich zu hören sein, die Akzente, mit den beiden ganz hohen Saiten gespielt, dürfen gerne etwas kratzen. Das alles kann das Quantum lässig. Mit dem Blend Regler des Tone Press habe ich das nicht so gut hingekriegt. Natürlich, wie immer bei Vahlbruch Pedalen, kein Höhenklau, kein Rauschen, kein langes Fummeln, bis der Sound stimmt. Einfach spielen. 

 

Interwiew mit Henning Vahlbruch

Seit Jahren versuche ich, mit Henning ein Treffen zu arrangieren, um ihn ausgiebig zu befragen. Leider hat das bisher nie geklappt, darum habe ich ihn per Mail meine Fragen gestellt, und Henning hat mit unendlicher Geduld geantwortet. Ich erlaube mir, hier einfach die Fragen und Antworten ungekürzt zu veröffentlichen, denn wie könnte ich des Meisters Antworten zensieren?

Warum heißt das Quantum Quantum?

 

Ach, das war so ne Snappsidee: Es ist halt ein Compressor Pedal, das auf einer Photozelle basiert… Also Licht gesteuert… Quanten eben…. Und irgendwie hatte ich beim Testen/Spielen/Tüfteln sehr oft den Eindruck, dass das Pedal den Sound irgendwie ein „Quäntchen“ besser macht…. Daher der Name…

Ich finde es relativ leicht die ersten 80% eines guten Tons zu erreichen, aber für die letzten 20% , bei denen man dann denkt und vor allem auch fühlt „Wow - das ist gut“ erfordert es schon ein bisschen Geduld und Freude am Experimentieren… Eigentlich bin ich kein großer Fan von Compressoren und Dynamikbegrenzung, aber die Parallel-Kompression ist da ein super Ausweg, weil sie die wichtigen Anschlagstransienten intakt lässt, aber den Ton im Sustain prima verlängert… So spart man Gain bzw. Verzerrung ein und der Gitarrenton bleibt fett und transparent und setzt sich prima im Bandgefüge durch, ohne, dass es matscht….

 

Warum rosa?

 

Hehe, warum nicht? Ich wollte mal was knalliges :) Sieht doch mit den weißen LEDs ganz scharf aus, oder?

 

 

Wie entscheidest Du, wann die Abstimmung zum Beispiel des Verhältnisses dry-wet Signal richtig ist?

 

 Gute Frage, auf jeden Fall nicht an einem Tag. Oft entwickelt ich Schaltungen, die ich am Ende des Tages richtig gut finde… Und dann lege ich sie für Wochen erstmal wieder in die Schublade, bis ich quasi vergessen habe, was ich eigentlich gebaut habe… Und dann nehme ich mir den Entwurf wieder mit frischen Ohren ohne ohne Vorkenntnisse vor und schaue ob es mich immer noch überzeugt… Hier und da fallen mir dann Dinge auf, die ich noch verbessern kann…. Oft nur Kleinigkeiten, aber nur so kommt man von "80% gefällt mir" weiter nach oben… Ich denke man hört und fühlt nicht jeden Tag gleich und da mittel ich gerne über einige Zeit drüber hinweg :)

 Man darf es halt nur nicht eilig haben, aber den Luxus erlaube ich mir und wenn ich dann nach 6 Monaten oder so immer noch zufrieden bin, dann geht das Pedal in Serie….

 

 

Zweifelst du manchmal, dass Du Dich dabei irrst?

 

Nö, ich kann ja nur das vernünftig machen, was mir gefällt. Und wenn es so läuft wie oben beschrieben, dann gibt es keinen Grund für mich unzufrieden zu sein… Dinge, die mir nicht gefallen werden einfach wieder eingestampft und kommen nie

 von mir auf den Markt. Ich folge da nicht den Gepflogenheiten des Marktes wie

„Jedes Jahr zwei neue Pedale“ oder so…. Das ist mir egal, es kommt so wie es

kommt...

Nicht nur Quantum

Natürlich musste ich auch ein paar Fragen stellen, die nicht speziell mit dem Quantum zu tun haben

 

Welche Ideen hast Du für die nächsten Pedale?

 

Oh, da gibt es im Moment viele!!

Für mich hat meine Erschaffung des „MagTraB“ Schalters viel neue Energie freigesetzt.

Diese Energie hat dann in meinem Kopf eine ganze Flut von neuen Ideen losgelassen…

Du darfst also gespannt sein!

Nächstes Jahr habe ich zudem 10th Anniversary, da werde ich mir auch was schönes

überlegen :)

 

Würdest Du auch einen Amp bauen, beispielsweise auf Basis der TAD-Bausätze?

 

Amps baue ich tatsächlich schon länger, als ich Pedale baue…

Kommerziell, aber zu 100% inkognito und privat. Meist, weil ich meine Vintage Amps pflegen muss oder weil ich mal Bock auf neue Projekte habe…

Neulich habe ich mir einen Trainwreck orientierten Amp gebaut… Das ist eine schöne

Abwechslung. Aber insgesamt schon sehr vintage orientiert bei mir, "4 Kanäle mit MIDI"

interessiert mich nicht, ein direkter und durchsetzungsfähiger Ton, der sich prima z.B. nur über den Volumenregler an der Gitarre steuern lässt aber schon...

 

 

Spielst Du selber noch aktiv Gitarre?

 

Na klar!

 

Wie sieht Dein Traum-Setup aus?

 

Oh, das weiß ich nicht, das setup ändert sich in unregelmäßigen Abständen… Aber zwei parallele Amps sind mir wichtig… Muss nicht laut sein, aber zwei Amps, die sich im Sound gut ergänzen, machen für mich schon viel vom Wohlfühlfaktor beim Spielen aus...

 

Trinkst Du eher Bier oder lieber Wein?

 

Das hängt ganz vom Wetter und vom Essen ab würde ich sagen!

Ein Single Malt passt manchmal auch ganz gut :)

 

Glaubst Du, dass der Pedalmarkt tot ist?

 

Zuerst ist  der Pedalmarkt mal so richtig voll geworden, wenn man es mal mit der Situation von vor 10 Jahren vergleicht…

Aber das muss ja aber nicht schlecht sein! Für den Konsumenten ist ja inzwischen in jeder Preisklasse und Geschmacksrichtung fast alles easy erhältlich. Insofern sieht tot glaube ich anders aus….

Wobei ich immer gerne zum Nachdenken anrege und finde, dass man schon mal hinterfragen sollte, unter welchen Konditionen Pedale hergestellt werden / bzw. hergestellt werden müssen um diesen oder jenen Verkaufspreis zu erreichen….

Bei einigen Produkten kann ich es nicht verstehen, dass die noch gekauft werden…

Aber das ist ja in vielen Lebensbereichen ein schwieriges Thema und nicht immer einfach und konsequent zu lösen...

Aber zum Glück gibt es eben auch noch vielen andere Menschen, die sich ein paar Gedanken machen, und z.B. kleine Boutique Firmen unterstützen…

Und somit bleibt es schön bunt auf dem Markt und ich hoffe, so bleibt es auch noch lange!

Das war ein nettes Interwiew und sehr interessante Antworten, wenn auch nur per Mail.  Nochmals vielen Dank an Henning. Vielleicht schaffen wir es ja doch noch irgendwann einmal, uns auf ein Bier zu treffen, um persönlich zu schnacken.

Und?

Jetzt sind wir alle  scharf auf einen Vahlbruch-Amp, oder? 

Ich jedenfalls  spüre da schon ein kleines Verlangen.

Hier ist noch wie immer der Link zum Hersteller, damit du nicht erst lange suchen musst. Bitte sehr.     www.vahlbruch-fx.com

 

Danke für's Lesen.

Dein Jansson