27. Januar 2019

Vahlbruch Opto Trem

Als ich neulich mal wieder ein wenig Zeit damit verbrachte, im Netz nach Neuigkeiten auf dem Pedalmarkt zu stöbern, landete ich natürlich prompt bei Vahlbruch. Dort wurden gleich mehrere neue Werke vorgestellt. Unter anderem das X-Roads, ein aktiver A/B/Y-Switcher, dessen Name eine Spielart von Crossroads ist. 

Der Compressor Quantum ist neu, diverse Pedale wurden überarbeitet oder haben neue Funktionen an Board.

Die größte Innovation ist aber das Mag TraB-Schaltkonzept. Das ist der neue, kontaktlose Fußschalter. Dazu später noch etwas mehr. 

 

Ich bin ja schon lange stolzer Besitzer des Twin-Tremolo, ich dachte nicht, dass ich das Pedal jemals infrage stellen würde. Aber, na gut, was soll ich sagen? Ich bin auch nur ein kleiner Süchtiger, ich Greis war willig, aber mein Fleisch war schwach.

Jedenfalls hatte ich ein paar Tage nach der Bestellung direkt im Hause Vahlbruch das niegelnagelneue Opto Trem im Briefkasten. 

Ich wollte wissen, ob ich tatsächlich ein neues Tremolo brauchte. 

Ich sage es dir gleich vorweg, damit du nicht jetzt schon zum Schluss dieses Artikels springen musst: Ja, ich brauche das niegelnagelneue Opto Trem. War ja klar, oder?

Mit dem Aufbau zum Testen bin ich wie immer sehr pragmatisch vorgegangen: Gitarre, das oder die Testkandidaten, alles direkt in Reihe in den Twangtone Deluxe. Fertig. Schließlich kommt das meiner Bühnensituation am nächsten, also werde ich mit dieser Methode recht sicher herausfinden, ob das Pedal für mich passt oder nicht. 

Das Pedal sieht wirklich schnieke aus, finde ich. Glitzerndes Grün, chreme weiße Schrift und weiße Knöpfe passen für mich gut zusammen. Mit 11x6x3cm ist das Gehäuse in der gleichen Größe gehalten wie BBQ und Pipeline. Das ist sehr gut, denn inzwischen ist Platz auf dem Board selbst für mich ein wichtiges Thema geworden, obwohl ich eigentlich eher auf große Pedale stehe. 

Strom bekommt das Opto Trem nur über den Netzteilanschluss, Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen.

Auch sonst ist alles wie üblich. Regler für Speed, Intensity und Volume plus ein Kippschalter für die Wahl der Kurvenform. Schön einfach, alles. Das mag ich sehr. 

Den Anfang der Tests habe ich auch üblich einfach gestaltet, indem alle Regler auf 12 gedreht werden. Kann ich mir gut merken, lässt sich reproduzieren und ist in der Regel eine gute Ausgangsposition. Der Twangtone Deluxe ist ein 5E3-Klon, da habe ich sowieso nicht viele Möglichkeiten. Hi-Eingang, Volume ungefähr auf 3 und Tone ist fast egal. 

Ich war doch etwas überrascht, was da aus dem Amp tönte. Normalerweise muss ich bei Tremolos die Lautstärke sehr anpassen, hier gar nicht. Wirklich, mit der 12Uhr-Stellung und der soften Kurve kann man beim Opto Trem einfach nichts falsch machen. Es tremoliert fröhlich vor sich hin und weder entsteht das Gefühl des Lautstärkeverlustes noch wird der Sound irgendwie verbogen. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen, wie organisch und kraftvoll das klingt.

Ein wenig Link Wray gefällig? Kein Problem, etwas mehr Intensity und ab geht die Post. So einfach wie möglich. Rumble in Bestform.

Dann die Slidegitarre angestöpselt. Mit schön sahnig langsam waberndem Sound gospel ich mir das Winterwetter aus der Seele . Mir geht das Herz auf.  Und nie wird es trocken oder steril. Stets habe ich das Gefühl, es würde Luft hin und her geschoben. 

Jetzt den Kippschalter auf Hard gestellt. Ich schwöre dir, bei entsprechend radikaler Einstellung der Intensity spürst du den alten Bell Hubschrauber starten. Der Ton macht so ein nettes Fummp beim Lautwerden. So hatte ich das bisher nur beim Diamont erlebt, das mir aber in der Anwendung mit seinen vielen Modi und  Kurven, durch die ich mich mit Kippschaltern tasten musste, viel zu aufwendig war. Da brauchste ja bald einen Zettel mit Notizen, welche Farbe der LED welchen Modus bedeutet. 

Opto Trem vs. Twin-Tremolo

Jetzt kommen wir zum Vergleich zwischen Opto Trem und Twin-Tremolo. 

Die bauliche Unterschiede sind klar, das Twin-Tremolo ist viel größer und bietet zwei getrennt regelbare Kanäle, die beide eigentlich das Gleiche machen. Es mag für den einen oder anderen Gitarristen von Vorteil sein, zum Beispiel schnell per Fußtritt zwischen zwei Geschwindigkeiten wechseln zu können oder zwischen hard und soft Modus. Für mich war das nie wichtig. Ich drehe gerne an den ohnehin wenigen Reglern herum. 

Man könnte also vermuten, dass das Opto Trem schlicht eine abgespeckte Version des Twin-Tremolos ist. Dem ist aber nicht so.  Das Twin macht ganz akkurat laut und leise, wie sich das gehört, aber die Kraft und Wärme des Opto Trems ist nicht erreichbar. 

Beim Opto habe ich das Gefühl, dem Sound wird Kraft hinzugefügt, beim Twin musst du die Lautstärke ganz schön anheben, um nicht das Gefühl von Verlust zu haben. 

Das Doppel-Pedal war ja nie schlecht, aber im direkten Vergleich muss ich sagen, klingt das Twin fast etwas leblos.

Beide Pedale sind nach Vahlbruch-Standard extrem nebengeräuscharm, wenn man die Intensität auf Null dreht, bleibt beim Twin ein leichtes Pulsieren, das Opto dagegen funktioniert dann tatsächlich als reiner Booster. 

Beim Opto lassen sich viel stärkere Einstellungen der Intensität als beim Twin realisieren, außerdem habe ich das Gefühl. dass die hard Kurve beim Opto viel eckiger ist. Da baut sich kein Ton erst auf. Der ist einfach an und aus. 

Eine sehr deutliche Verbesserung bedeutet der MagTraB-Schalter. Ich hatte nicht geglaubt, dass es wichtig sein könnte, ob der Schalter soft ist oder smooth. Ist es aber doch. Teste einfach ein Pedal mit dem neuen Taster. Du wirst sehen, dass da nichts hakelt, nichts schleift oder eckelt. Besser als jedes mir bekannte Taster-Pedal, das ich bisher unter den Füßen hatte. Und absolut kein knackendes oder knisterndes Schaltgeräusch. Eine wohldosierte Federkraft hält dem Druck auf den Taster entgegen, und das ist alles, was man spürt. Ich hatte das unter einem von Hennings Beiträgen im Facebook schon geschrieben: Dieser Taster ist für mich die einzige wirkliche Innovation seit Jahren auf dem Pedalmarkt. Er ist in dieser Anwendung wirklich neu und sehr sinnvoll. 

Fazit: fertig war gestern

Das Twin-Tremolo wandert auf das Zweitboard. Es wird dort eines der hochwertigsten und besten Ersatzpedale werden, die in meinem Fundus vor sich hindümpeln, aber die Sache ist klar, das Opto Trem hat gewonnen. Nicht haushoch, aber sehr deutlich. Es bietet den für mich schöneren Sound, es ist kleiner und es hat den MagTraB.

Ich werde mir vielleicht ein kleines Session-Board bauen um dem Twin-Tremolo weiter huldigen zu können während ich dem Opto Trem auf meinem Hauptboard fröne. Ich werde sie einfach beide "Schatz" nennen, sonst komme ich noch durcheinander. 

 

Sobald ich es mir leisten kann, werde ich den neuen Compressor , das Quantum, bestellen, denn Compressoren sind bei mir eine ewige Baustelle. Allerdings ist das Quantum irgendwie echt sparkling schweinchen-rosa. Das ist hart, aber ich werde das überleben und selbstverständlich hier berichten. 

Hier ist noch wie immer der Link zum Hersteller, damit du nicht erst lange suchen musst. Bitte sehr.     www.vahlbruch-fx.com

 

Danke für's Lesen.

Dein Jansson