Vahlbruch BBQ

                                                                          01.07.2018

 

Hast du schon mal ein Vahlbruch Pedal ausgepackt?

 

Das ist ein empfehlenswertes Erlebnis. Beim Auspacken meines BBQ war meine Frau dabei. Ich sagte: „Das ist

ein Pedal“. Die Liebste wollte gleich wieder gehen, aber sie war wohl doch neugierig, denn allein diese Box aus stabiler, matt schwarzer Pappe mit dem silbernen Namenszug auf dem Deckel strahlte eine Erhabenheit aus, die sie bleiben ließ. Als ich die Schachtel öffnete, offenbarte sie ihren Inhalt wie eine edle Schmuckschatulle. In sauber ausgeschnittenen, schwarzen Schaumstoff ruhte das BBQ.

Seine dezent violette Glitzerlackierung funkelte uns an. „Das ist ja Pornografie!“ sagte meine Frau. Na gut, stimmt, dachte ich, aber ihr Ausbruch zerstörte ein wenig den andächtigen Moment.

  

Was kann nun das BBQ, außer pornografisch funkeln?

 

Es ist ein Booster, beziehungsweise ein Minusbooster.

Volumenpoti des BBQ auf 12:00 ist die neutrale Stellung, gegen den Uhrzeiger wird es leiser, mit dem Uhrzeiger lauter. Allerdings ist bei Linksanschlag meine Gibson noch immer

gut hörbar, das Pedal dreht den Ton nicht ganz ab. Bei Rechtsanschlag geht der Amp auch mit der Strat gut in die Verzerrung.

Es ist ausreichend Regelweg da, so dass man sehr fein einstellen kann. Anders als beim gängigen Volumenpoti der Gitarre ändert sich der Ton mit der Lautstärkeänderung kein bisschen. Er wird nur lauter oder leiser. Das BBQ ist meine neue Waffe, wenn ich Gitarren mit unterschiedlichem Output spielen will, ohne wie wild an sämtlichen Pedalen herumschrauben zu müssen.

Außerdem ist das BBQ ein EQ.

Es gibt je einen Regler für Bass, Mitten und Höhen. In der 12:00 Stellung sind die Regler neutral, bei Linksdrehung werden die entsprechenden Frequenzen leiser, bei Rechtsdrehung werden sie geboostet. Das funktioniert ganz hervorragend, denn die Regler beeinflussen sich nicht gegenseitig. Soll heißen, dass die Höhen nicht schrill werden, wenn man die Bässe herunter dreht. Die Höhen bleiben unangetastet, es werden nur die Bässe leiser. Der EQ macht es möglich, die Gibson nach der Tele zu benutzen, ohne, dass sich der arme Verstärker vor lauter Bassgehupe vom Ständer vibriert. Oder, im umgekehrten Fall, ohne, dass  das Trommelfell von allzu schrillen Höhen in Streifen geschnitten wird.

Und das BBQ ist ein Buffer.

Der Buffer ist natürlich bei eingeschaltetem Pedal aktiv. Das ist klar. Aber das BBQ kann mehr, denn per internen Switch kann man einstellen, ob das Pedal deaktiviert im Buffer-Modus oder True Bypass wirken soll. Praktisch, weil manche Pedale bekanntlich nicht gut auf Buffer

reagieren. 

Ich brauche eigentlich keinen Buffer, aber man weiß ja nie, wie groß das Board mal wird, und tatsächlich wirkt das gebufferte Signal schon bei meinen paar Pedalen und zwei mal drei Metern Kabel leicht aufgeklarter als das ungebufferte. Höre ich aber nur, wenn ich mich genau darauf konzentriere.

 

Vahlbruch Pedale sind die, die man heiratet. 

 

Es ist mir schon bei meinen anderen Vahlbruch Pedalen aufgefallen, dass sie allesamt nur genau das machen, wofür sie gebaut wurden. Und zwar extrem gut.

Das Delay wiederholt einfach den Ton, ohne bei der Wiederholung ein labbriges Attack zu fabrizieren. Das Tremolo macht schlicht laut und leise, ohne diesen ausgehölt dosigen Sound zu verursachen und das Pipeline macht einen göttlichen Hall.

So lassen sich auch beim BBQ sehr exakt die Frequenzen bearbeiten, der Buffer arbeitet völlig unauffällig. Ich habe das BBQ mit zweimal einem Metern Kabel direkt zwischen Amp und Gitarre angeschlossen. Pedal AUS und Buffer an- und ausgeschaltet. Ich habe nicht den geringsten Unterschied gehört.

Ein guter Freund hat mal gesagt, viele der spektakulärsten Pedale seien aufregend wie ein One-Night-Stand. Vahlbruch Pedale seien die, die man heiratet. So isses.

 

Das BBQ gibt es schon eine ganze Weile, aber es wurde bisher nicht viel Gedöns drum gemacht. Komisch, eigentlich.

Nachdem ich im Netz die spärlichen Informationen über das BBQ gesichtet hatte, musste ich erstmal bei Henning nachfragen, wie das mit dem Buffer funktioniert. Die Worte Buffer und True Bypass machen mir immer einen Knoten ins Hirn und ich verstumme in unwissender Ehrfurcht. Henning erwies sich als außerordentlich geduldig, er beantwortete mir jede meiner Fragen, die mir im Nachhinein selber komisch vorkommen. Ich kann Hennings Geduld gar nicht lobend genug erwähnen, möchte aber das Thema lieber nicht weiter ausführen, denn der Gedanke an mein schwerfälliges Begreifen und Nachfragen ist mir fast etwas peinlich. Danke Henning.

 

 

Den internen Schalter muss ich noch erklären. Es handelt um vier kleine Schieber auf einem Sockel. Es gibt nur zwei sinnvolle Einstellungen:

 

 

1 und 2 ON; 3 und 4 OFF = True Bypass

 

1 und 2 OFF; 3 und 4 ON = Buffered Output. Die Lampe Buffered Out leuchtet dann konstant.

 

 

Auf der Platine sind die Schalterstellungen beschrieben, allerdings ist die Beschreibung auf einer silbern glänzenden Fläche geprägt, und ich für meinen Teil habe im Licht meiner Werkstatt auf diesem glänzenden Fleck erst nach langem Suchen die Prägung entdeckt.

 

Mit ist's besser

 

 

Jedenfalls habe ich das BBQ nun auf dem Board, und ich habe es ausgiebigst getestet. Zuerst daheim, in meinem Spielzimmer. Ich habe echt alle meine Gitarren rangenommen. Aber so richtig!

Noch ein paar Overdrives dazu und verschiedene Amps. Gitarren mit allen möglichen verschieden Pickups natürlich.  Die Nachbarin sagte irgendwann, dass sie es ganz schön fände, wie ich spiele, und es würde sie auch überhaupt nicht stören, wenn sie mich nach der Nachtschicht hören würde. Sie könne sowieso nicht gleich schlafen.

Den ersten Gig hat das BBQ auch schon hinter sich gebracht, und es war wirklich große Klasse, wie einfach sich mit zwei, drei Reglern eines einzigen Pedals Sound und Lautstärke von Gibson Country Gent, Diego Tele und P90 Slide-Gitarre an die Gegebenheiten anpassen ließen. Erstes Stück mit der Gibson: Alle Regler auf 12 Uhr, passt. Zweites Stück mit der Tele: Volume auf 14 Uhr, Bass und Mitten auf 13 Uhr, passt. Zum Sliden EQ so lassen, nur das Volume etwas wieder zurück, passt auch. Ohne sich an den anderen Pedalen einen Wolf zu kurbeln. Hervorragend.

 

Das BBQ ist so ein kleiner, stiller Helfer im Hintergrund. Nicht wie ein Drummer, der ist ja nicht still. Eher wie ein Navi. Klebt an der Scheibe und sagt dem Fahrer den Weg. Man merkt gar nicht mehr, dass es da ist. Aber könnt ihr euch noch daran erinnern, wie es ohne Navi war? Nachts bei Regen durch eine fremde Stadt, mit dem Faltplan auf dem Beifahrersitz?

So geht es mir inzwischen ohne das Vahlbruch BBQ.

Mit ist es besser.

 

Hier ist noch der Link zu Vahlbruch FX - guitar effect pedals made in Germany, damit du nicht lange suchen musst. 

 

Danke für's Lesen.

Dein Jansson