Twangtone Deluxe


In der Ausgabe Mai/2011 berichtete ein großes Gitarrenmagazin nicht nur über Gary Moore, George Benson und Buddy Guy, es beglückte seine staunenden Leserschaft auch erstmals mit seinem Dauerbrenner Artikel, dem großen P-90 Vergleich. Aber nicht nur das, das war ja soweit Standard, es gab auch einen Artikel über einen kleinen, besonderen Amp, dem Twangtone Deluxe.

Dabei ging es um einen 5E3-Klon auf der Basis des TAD-Bausatzes. Sagte mir alles gar nichts, aber die Specs, ca. 12 Watt, 12" und wenig Schnickschnack, passten in mein Beuteschema.

Was mich wirklich ansprach war, dass der Amp in Handarbeit von Mitarbeitern einer Berliner Behinderten-Werkstatt gebaut wurde. Mir gefiel die Idee, dass Leute mit Behinderungen ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten entsprechende Arbeiten ausführten so gut, dass ich eigentlich unbedingt so einen Verstärker haben wollte. Leider war der angegebene Preis von 1700€  für mich damals absolut nicht bezahlbar.

Naja, wenn ich später mal Geld hatte, gab es stets wichtigere Ausgaben zu tätigen. Auto, Gitarren, Urlaub und so Sachen. Der kleine Twangtone wanderte auf der G.A.S.-Liste immer weiter nach hinten, aber er verschwand nie ganz. 

Gelegenheiten kommen immer wieder

Facebook und Co.haben ganz klar ihre guten Seiten. Zum Beispiel kann man über Social Media jede Menge Leute kennenlernen. Ich geriet auf diesem Wege irgendwann an Heinz Rebellius. Er ist mir ein wunderbarer Freund in der Ferne geworden. Aber nicht nur das, er ist auch der Drahtzieher bei Twangtone. Und plötzlich stand der kleine, beinahe vergessene Amp wieder ganz oben auf meiner Liste. 

Als ich Heinz zum ersten Mal besuchte konnte ich endlich auch mal einen Twangtone Deluxe anspielen, Heinz hatte nämlich ein Exemplar bei sich im Arbeitszimmer stehen. Ich war begeistert von dem großen Sound des kleinen Amps, nur wurde der inzwischen schon gar nicht mehr produziert. 

Na gut, Gelegenheiten kommen immer wieder, also wartete ich weiter. Ich dachte sogar über Selbstbau nach, aber ich habe es nicht so mit Strom und ich bin nicht lebensmüde. Außerdem hasse ich das, wenn beim Auftritt Equipment kaputt geht, womöglich sogar plötzlich in Flammen steht.

Irgendwann bot Heinz seinen Deluxe zum Verkauf.

Geld hatte ich mal wieder keins, das einzige ungefähr Gleichwertige war meine Duesenberg Senior 52. Also haben wir getauscht. Amp gegen Gitarre. Das war für mich ein echtes Opfer, das muss ich sagen. Aber seitdem bin ich stolzer Besitzer eines Twangtone Deluxe in der Ausführung aus Nussholz, mit weißem Ledergriff. 

Natürlich habe ich viel mit dem Amp probiert. Verschiedene Röhren, verschiedene Speaker, tausende von Pedalen davor. Inzwischen habe ich ganz solide genau die Röhren drin, mit denen Heinz mir den Amp geschickt hat, nämlich billige schwarze 6V6 GT vom TAD. In der Vorstufe sitzen eine 5751 und eine 12AY7. Wirklich prachtvoll klingt der Twangtone mit dem Alnico Gold. Der Speaker ist der absolute Hammer in Sachen Wirkungsgrad, Ausgewogenheit und Glanz. Eben prachtvoll. 

Ohne Pedale geht, aber mit ist es besser

Für mich sind bei dem Amp  Pedale sehr wichtig. Geht auch ohne, aber es gibt ja doch nicht allzu viele Möglichkeiten, Lautstärke und Sound zu regeln. Also mache ich das eben mit ein paar Treterchen.

Und hier ist meine Methode, den Amp zu zähmen und zu nutzen: 

Ich spiele Gitarren mit wenig Output. Telecaster oder die Gibson mit BB1 und 2. Sollte der Amp doch überfordert sein oder es ist geringere Lautstärke gefordert, drehe ich die Lautstärke mit dem Pipeline zurück. Da das als letztes Glied in der Pedalkette sitzt, ändert es weder Sound noch Zerre vom Board. 

Für eine wirkungsvolle Klangregelung nehme ich das BBQ, das als vorletztes Glied auf dem Board sitzt. 

Der Rest ist klar. Drei Zerrer, die recht unterschiedlich wirken, und die ich nach Lust und Laune einsetze. Als vierte Zerre habe ich ja noch den Amp selber. Bei dem steht die Lautstärke eigentlich immer auf 3, die Brücke nutze ich nach Gutdünken. Tone meist mittig, fertig ist der Sound. Soll es mehr zerren, drehe ich am Pipeline den Ausgang höher. Viel lauter wird es nicht, aber tweediger.

Passt immer, ist immer laut genug und ist flexibel genug für mich. 

Ich nutze fast keinen anderen Verstärker mehr. Ich bin absolut glücklich und zufrieden mit den Möglichkeiten, die ich mit diesem Fuhrpark habe. 

Und manchmal, wenn ich alleine im Haus bin, nutze ich die Gelegenheit und spiele in genau der beschriebenen Einstellung so richtig feist Gitarre. Das ist dann ziemlich laut, aber ich wälze und suhle mich dann im Sound und genieße jeden einzelnen Ton. Ich habe herausgefunden, dass ich dabei manchmal zu erhöhtem Speichelfluss neige.

Aber das macht ja auch nichts, oder?

Vielen Dank fürs Lesen

Dein Jansson