OKKO Diablo vs. Diablo GH

 

Nachdem ich auf dem Guitar Summit 2018 endlich Heiko Okko in persona kennen und schätzen gelernt hatte ließ es sich nicht mehr vermeiden: Ein Diablo musste her.

Ich habe mir den Diablo GH gegönnt.

 

Anfangs wusste ich nicht so recht, wie ich mit dem Pedal umgehen soll. Es war anders als alle meine gewohnten Zerrer und Booster. Je länger ich probierte und an den Reglern drehte, desto sicherer war ich, dass dieses Pedal mein Board nicht wieder verlassen würde. Mein Ziel, eine passende Alternative zu meinem geliebten Dakota Red zu finden, war definitiv erreicht, denn das GH verzaubert meinen Sound auf mir bisher unbekannte Weise.

Während das Dakota eher trocken knarzig und fast fuzzig cruncht, macht das GH irgendwie jeden einzelnen Anschlag, jeden Ton und jedes Vibratolein unglaublich deutlich. Anders kann ich es nicht beschreiben, ich habe noch nie einen reicheren Ton gehabt. Fingerpicking auf der Gibson Country Gent mit dem GH vor dem Twangtone Deluxe auf dem nächsten Level.

Echt wahr, während bei allen anderen Zerren und Boostern die Bässe gerne etwas unklar werden, brauche ich mit dem GH nicht mal einen Kompressor. Man hört einfach jeden Ton. Selbst verzerrt bleibt diese Klarheit bestehen.

Der Booster  lässt sich mit OD und stand alone aktivieren. Dabei erreicht man auch in Vollaststellung keine brachialen Lautstärkesprünge, aber man kann durch die Klangregelung herrlich den Clean Ton veredeln. Der Booster macht den Ton eher voller als lauter. Er sitzt hinter dem OD, macht also mit dem verzerrten Signal das gleiche, ohne, dass man jedes Mal beim Aktivieren aufpassen muss, dass einem die Membran nicht entgegen schießt.

Soviel zu dem Diablo GH, dem kleinen Goldstück.

Wenn man bei Heiko im Shop stöbert, fällt auf, dass der normale Diablo und der Diablo GH auf den ersten Blick recht viele Gemeinsamkeiten haben. Wenigstens sehen sie sich ziemlich ähnlich, und ich habe mich die ganze Zeit gefragt,

wo denn nun die Unterschiede liegen. Hätte ich womöglich doch lieber den Diablo nehmen sollen?

Ein Mann muss wissen, wann ein Kampf verloren ist, schließlich siegte meine Neugier, und ich habe mir ein Modell zum Vergleichen bestellt. Manchmal ist Verlieren Gewinnen.

ORANGE GEGEN GOLD

Bauliche Unterschiede sind schnell erklärt:

Der Diablo hat zwei Zerrstufen, die sich wahlweise aktivieren lassen. Das GH hat eine Zerrstufe und einen Booster hintendran, beide zusammen oder einzeln zu aktivieren. Das GH ist chic golden, der Diablo klassisch orange.

 

Mein Vergleichsaufbau war simpel, ich habe einfach beide Pedale in Reihe vor den Twangtone Deluxe gehängt. Versuchsgitarren waren wieder meine Gibson Country Gent und eine Slick Tele mit Barfuss P90. Die Gibson mit 10er Saiten bespannt, die Slick mit 12er Daddario Chromes zum Sliden. Ich hätte sicher auch noch weitere Gitarren zum Testen parat, aber ich wollte ja nur die Unterschiede zwischen dem Klassiker und dem Signature Modell herausfinden, darum sollen mir zwei sehr gegensätzliche Instrumente genügen.

Die Bedienungsanleitungen habe ich lieber noch nicht gelesen. Ich finde, das verdirbt den Charakter und raubt die Überraschung.

Bei beiden Pedalen alle Regler auf 12 Uhr, brrrääääng, schön im Wechsel testen. Jetzt zeigen sich weitere deutliche Unterschiede. Man merkt natürlich, dass beide Pedale denselben Papa haben, aber die Mütter waren offensichtlich ganz unterschiedlicher Natur.

Der Diablo hat deutlich mehr Bassfundament und wirkt immer etwas derber, obwohl der Zerrgrad eigentlich gleich ist. Das GH ist viel schlanker in den Bässen, aufgeräumter und wirkt eher gediegen. Das GH ist eher der Gentleman, der Diablo eher der Bauer. Dieser Eindruck bleibt bei jeder Reglerstellung. Auch Spielereien mit den beiden Kippschalter verändern dieses Verhältnis nicht.

 

Der Diablo hat zwei Zerrstufen, wobei die linke wirkt, als sei die rechte permanent vorgeschaltet. Sie klingt etwas fetter als die rechte Stufe. Bei beiden Stufen bekommt man selbst bei Drive ganz zurückgedreht keinen reinen Clean Ton hin. Als Clean Booster eignet sich der Diablo also nicht.

Das geht beim GH mit der Zerrstufe auch nicht, gelingt aber mit dem Booster natürlich ganz

mühelos. Der ist sowieso der Hammer. Die Regler für das OD greifen hier nicht, aber durch den Tonregler hat man alle Möglichkeiten der Welt.


WELCHES PEDAL SOLL MAN NEHMEN?

Schwer zu sagen. Man kriegt mit dem Diablo den Ton ja auch schlank und schön hin, aber

diese kultivierte Eleganz des GH ist unmöglich zu treffen. Der Diablo bleibt stets mehr Rauhbein als Schöngeist. Mit dem GH wird im Vergleich immer das tiefe Fundament fehlen. Ich liebe das Pedal für schnelle Pickings mit Wechselbass und vielen, kurzen Tönen. Es ist so mühelos, diese Töne alle hörbar zu spielen.

Für langsamere Sachen, bei denen der Daumen einen kräftigen, ruhigeren Shuffle schlägt und die übrigen Finger Akkorde und weniger einzelne Töne spielen, ist der Diablo mein Favorit. Der Bass ist eine Bank, während die Höhen schön derbe zur Sache gehen.

Wenn man das eine Pedal spielt, vermisst man nicht das Geringste, wenn man das andere spielt, denk man: „Komisch hier fehlt auch nichts.“

Wie kann das sein, wo doch beide Pedale so unterschiedlich sind?

Ich weiß es. Es ist Magie. Man könnte sagen, der Sound wird okkoniert.

 

Beim Sliden konnten mich weder das GH noch der Diablo wirklich überzeugen.

Ich habe also auch noch das Dakota Red zu Rate gezogen, das für mein Empfinden für crunchiges Sliden unschlagbar ist. Die Zerre ist da viel trockener, eher fuzzig als cremig, was mir speziell beim Sliden einfach besser gefällt. Bei dieser Spielart fand ich den Sound der

Okkos fast etwas überladen.

Einzig ganz clean war mit dem Booster des GH sehr schön. Das allerdings so abgehoben schön, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte, mit dem Röhrchen auf den Saiten

herumzurutschen. Machste noch ein Fizzelchen Delay und eine Prise Tremolo dran und rührst die Suppe mit kräftig Hall, fertig.

Country Cooking!

Fazit: Ich habe schon das Dakota Red und den Diablo GH auf dem Board, und wenn ich nun den orangenen Diablo auch bekomme, ich schwöre, dann werde ich nichts weiter brauchen. Isso.

Heiko, wir müssen reden.

Hier ist noch der Link zum Okko-Shop   www.stompbox.de, damit du nicht lange suchen musst. 

 

Danke für's Lesen.

Dein Jansson