Demon Ganapati

                                                                                                                                                   15.04.2018

 

Text und Fotos von Tim Falkenberg

So ihr lieben Pedaleros...

Nachdem ich jetzt nun doch so einiges an Durchlauf von Pedalen hatte in den letzten Jahren, besonders zum Thema Boost/OD, wollte ich hier mal einen Kandidaten reviewen, der mich ehrlich gesagt vollkommen unverhofft aus den Socken gehauen hat.

Nachdem ich durch eine befreundete Band ( an dieser Stelle einen Gruß raus an Die Jungs von SHAVED CHEWBACCA) und diverse Forenbeiträge schon seit einiger Zeit auf die Marke Demon Pedals aufmerksam geworden war, hatte besonders das neue Ganapati mein Interesse geweckt, da es den Ganesha Drive und den Vahana Boost in einem Pedal vereint. Nach einem sehr amüsanten Proberaumtreff mit Peter von Demon Pedals hatte dieser mir dann mal ein Exemplar zur Testfahrt mitgegeben... also. rein in den Proberaum, Board umgesteckt und los.

Ich möchte den Ganapati gern in

zwei Teilen reviewen, zum einen in der Verwendung, wie ich ihn benutze, nämlich als Boost vor einem schon zerrenden Amp und im zweiten Teil als Standalone - OD / - Boost.

 

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an. Die Qualität der verbauten Teile ist sehr robust, die Potis laufen schön satt und gleichmäßig, das Innenleben sieht 1a aus. Die verwendete LED ist sehr hell blau leuchtend, was einen den Status des Pedals auch auf lichtdurchfluteten Bühnen zuverlässig erkennen lässt.

Als Kontrollen haben wir KARMA (= Gain), TONE, SLEEP (=Volume / Level) und BOOST.

Weiterhin kann man per Kipp-Switch zwischen zwei Clipping-Arten auswählen, zum einen FET und zum andere SI / GE (ich denke mal Silicium / Germanium?). Zu guter Letzt, und dieses Feature ist immer gern gesehen bei solchen Kombipedalen, kann die Reihenfolge Boost->OD und OD->Boost gewählt werden.

Also dann – Krach machen.

Ich benutze den Ganapati, wie schon erwähnt, vor meinem bereits zerrenden Orange Dark Terror, der dann in eine Fryette Powerstation II Endstufe geht. Das Ganapati hängt auf meinem Board in der Sidechain vom TC Electronics Sentry Noisegate.

Mit der klassischen TS-Style Cleanboost Einstellung angefangen, Volume auf Anschlag, Gain auf Null und Tone irgendwo bei 12 Uhr.

Und dann hats mich erwischt...

Ich hab von Standard- bis zu Exoten oder Custom viele Kandidaten vor meinen Amps gehabt und habe mit der Zeit zwei größere Kategorien für mich gefunden. Zum einen die, die sehr viel Frische und Akkorddetail zum Signal hinzufügen, dabei aber besonders im unteren Frequenzsegment teilweise extrem verschlanken und zum anderen die, die das Klangbild durch Kompression einfach weiter verdichten, smoother, fülliger und tragfähiger machen. Es gab also immer einen Kompromiss – will ich viel Akkorddetail und Attack muss ich auf Fülle verzichten und andersrum.

Und genau hier punktet das Ganapati voll für mich. Es räumt den Ton untenrum schon sehr deutlich auf an den richtigen Stellen, um sich gut im Mix durchsetzen zu können. Es verträgt sich dabei aber ganz hervorragend mit Bass- und / oder Depth/Resonance-Reglern des Amps. Auch hier mumpfen viele Kandidaten gern beim Versuch, verlorenes Lowend aufzuholen. Selbst modernere Modelle mit schaltbaren Frequenzgängen können immer nur das Eine oder das Andere.

Das Ganapati schafft diesen tollen Spagat, dass man sowohl sehr viel Detailabbildung auch in komplexeren Akkorden behält, dabei aber in keinem Moment auf große Fülle und Tragfähigkeit verzichten muss. Dabei kommt auch immer wieder ein schöner Snap im Ton mit durch – hat fast was Singlecoil-artiges, sehr durchsetzungsfähig, Singlenotes springen einem richtig vom Griffbrett.

Eine Disziplin, in der man oben erwähnten Kompromiss immer sehr schnell plakativ vorfindet sind meiner Meinung nach halb gepalmmutete Akkorde. Hier zeigt sich, dass Akkorde mit dem Ganapati schön mit Sustain nachschieben und stehenbleiben und sich dabei trotzdem jede einzelne Note deutlich ausmachen lässt.

Das Gainpoti ist auf dem ersten Viertel sehr fein dosierbar einsetzbar, was besonders in dieser Verwendung sehr willkommen ist. Es gibt dem Klangbild etwas mehr Biss, ohne dabei aufdringlich sägend zu werden. Den Rest des Regelweges werde ich dann in der nächsten Review mal genauer unter die Lupe nehmen.

 

Als diese Art Boost verwendet hat das Volumepoti bei moderneren Amps meiner Meinung nach seinen Sweetspotbei ca. 3 Uhr, da die Reserven doch recht hoch sind. Das ist jedoch gut, wenn man damit etwas schwächere und gainärmere Amps anpustet.

Tone packt tatsächlich mal richtig zu in den Frequenzen und ist nicht nur reine Höhenblende zwischen „hell“ und „verdammt hell“. Hier passiert Richtung Linksanschlag auch was im unteren Frequenzteil. Sehr gut dosierbar, um auf den Grundcharakter des jeweiligen Amps abzustimmen und den Grad der Fülle und Tragfähigkeit feinzujustieren.

In diesem Szenario den Boost vor den OD zu schalten, macht für mich wenig Sinn, da man hier schnell im Kompressions- und Gainnirvana landet. Andersherum wird dafür vielmehr ein Schuh draus, da man automatisch einen Soloboost unterm Fuß hat, der sich auch noch sehr gut dosieren lässt. Lautstärketechnisch hat man selbst beim Rechtsanschlag keine ungalanten Sprünge zu befürchten. Vom Voicing her gibt die Vahana-Seite nochmals etwas mehr Durchsetzungsfähigkeit in den Hochmitten dazu, wiederum ganz und gar ohne Gift und Galle.

Ich für meinen Teil fand die Clippingvariante mit SI / GE etwas knurriger und runder, auch eher

etwas schlanker als die FET Variante, die dann wohl wieder die bessere Wahl für z.B. schlankere Pickups und / oder Amps sein dürfte.

Nebengeräusche sind im vollkommen vertretbaren Rahmen, würde jedoch trotzdem zu einem Noisegate raten, ganz generell beim Verwenden von Boosts in der Konstellation.Konnte in der Sidechain vom Sentry den Threshold-Regler auf gleicher Position wie beim Vorgänger lassen, und das bei deutlich mehr Output – von daher grünes Licht.

Wie man schon lesen kann, bin ich im Fazit vollkommen hin und weg von diesem Teil. Und er hat meinen bis Dato Klassenbesten einfach mal vom Board verdrängt, und das trotz weniger Feintuningmöglichkeiten. Da haben bis jetzt die meisten anderen Mitstreiter den Kürzeren gezogen.

Ich kann die Pedale der Jungs wirklich nur mal zum Auschecken empfehlen. Besucht die Page unter  www.demonpedals.com 

Was mich auch immer wieder gern zu so kleinen Schmieden gehen lässt, ist der tolle Kontakt und der super Service, den ich auch hier nur loben kann.

Super Job gemacht und Danke für diesen Knaller...

In diesem Sinne,

Bis zur nächsten Disziplin