Guitar Summit 2019

                                                                                                                                        07. Oktober 2019

Der Guitar Summit in Mannheim fühlt sich immer ein wenig wie Weihnachten an. Nicht, weil man so viele tolle Geschenke bekommt, sondern weil man sich immer wundert, dass der Termin ganz plötzlich schon morgen ist, und weil man sich genauso wundert, wie schnell alles wieder vorbei ist. 

Dieses Jahr war ich alle drei Tage da, und es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Mein Plan war eher wage. Hingehen und einfach alles auf mich zukommen lassen. Zwar hatte ich mir vorweg die Ausstellerliste angesehen, und auch einige der Workshops fand ich interessant, aber erfahrungsgemäß ist man gerade während dieses Workshops mitten in einem Gespräch oder man steht gerade vor der völlig falschen Halle. Ich hätte gerne den Slide-Workshop bei Martin Schmidt mitgemacht, aber der fand am Freitag gegen 14:00 statt. Da war ich gerade erst angekommen, und es hatte doch so dermaßen geregnet, dass ich mich nicht abgehetzt und pudelnass in irgendeinen Workshop setzen wollte. Erstmal trocknen und die eigene Mitte finden. 

 

Freitag

 

Während ich so vor mich hin trocknete sprach mich ein Typ an, den ich bis dahin nicht kannte. Holle Humbuck. Klasse. Hat mich gefreut, Holle, dass wir uns kennengelernt haben.

Dann stieß Zita Martin dazu. Wir kannten uns ja schon. War schön, dich wieder zu sehen, Zita.

Wie üblich bei solchen Treffen verloren wir uns in Smalltalk und Fragen wie." Hast du den schon getroffen?" und "Hast du den Stand schon gesehen?" Zita und Holle haben großzügig Sticker und Pins von der Pedalboard-Gruppe verteilt. Das neue Logo der Gruppe gefällt mir ja deutlich besser als das alte mit dem F. Ich mag Holles Designs. 

Kurz darauf trafen wir auf Heinz Rebellius, der eine Odyssee mit der Bahn hinter sich hatte. Wie immer war es eine Freude, dich zu treffen, Heinz.

Den weiteren Freitag Nachmittag habe ich damit verbracht, mich gemächlich von Stand zu Stand, von Ebene zu Ebene zu hangeln, Leute zu begrüßen und Sachen zu bestaunen. 

 

Im Erdgeschoss hatte Dimavery einen Stand. Eine Marke, die ich bisher nur aus diversen Werbeanzeigen bei Amazon, Facebook und Co. kannte. Dimavery vertreibt supergünstige Musikinstrumente aller Art, und ich als alter Snob und Naserümpfer hatte natürlich nie einen Blick für solche Angebote. Es waren noch nicht so viel Gäste da, also nutzte ich die Gelegenheit, die Dimavery-Gitarren endlich mal zu probieren. 

Mir waren zwei Resonator Gitarren aufgefallen, die ich beide angespielt habe. Die schwarze, eine schön flache, leichte Gitarre, war eher darauf ausgerichtet, über einen Verstärker gespielt zu werden. Sie hatte einen magnetischen PU und, soweit ich mich erinnere, einen Piezo. Unverstärkt klang die Gitarre recht dünn und fuddelig. Für mich fühlte sie sich auch nicht so richtig gut an. Nicht so richtig Fisch und nicht so richtig Fleisch.

Die zweite Resonator war die Sunburst. Rein akustisch, Holz Body mit SpiderCone. Schön kräftige Saiten, Saitenlage sehr angenehm flach, aber noch mit genug Luft zum bequemen Sliden. Mit meinen Metall Fingerpicks erzeugte die Gitarre einen herrlich klaren, lauten Sound, wie man ihn sich von einer Resonator wünscht. Ehrlich, ich bin immer noch ganz hingerissen. Der Ton war etwas nölig, dosig, aber der hölzerne Körper gab eine gute Wärme dazu. So wurde diese Gitarre nicht so aufdringlich wie ihre blechernen Schwestern es gerne sind. Insgesamt gab es kein Schnarren, kein Scheppern und keine unangenehme Betonung einzelner Frequenzen zu bemängeln. Mir hat das Spielen auf dieser Gitarre echt Spaß gemacht. Die beiden Leute von Dimavery haben mein Gedaddel gleich auf Video aufgenommen. Vielleicht wird das ja mal irgendwo zu finden sein.

Wahrscheinlich werden sich professionelle Soundgourmets in ihren künftigen Gräbern herumwälzen und mir mitleidig einen Vogel zeigen, aber ich fand die Gitarre so richtig gut. Sie steht schon auf meinem Speisezettel.

 

Ein Treffen, auf das ich mich sehr gefreut hatte, war das mit Oll Spencer. Wir machen ja den Classic Tweed Club gemeinsam, die Facebook Gruppe, die sich im weitesten Sinne mit den beliebten Tweed Deluxe und Tweed Champ beschäftigt, waren uns aber vor der Messe noch nicht begegnet. War mir ein großes Vergnügen, Oll. 

Auch Steffen Brückner lief mir immer wieder über den Weg. Er macht mit Heinz und mir zusammen den Slide Club. Steffen ist mein Hero in Sachen Slide und Sound. Auf dem Foto sieht man ihn. er ist der Mann mit dem Hut. Liebe Grüße, Steffen. 

Abends verteilten sich alle möglich Leute in unterschiedliche Bars, Kneipen und Restaurants. Teils verabredet, teils spontan. Ich hatte einen netten Abend mit Heiko Okko, Cuba Pete und Oll Spencer. Gut gegessen und gut getrunken mit abschließendem Absacker in der Hotelbar. Prost, Jungs.

Samstag

Tag zwei des Guitar Summit war auf jeden Fall anstrengender als der erste Tag. Irgendwie sind Messespaziergänge irre kräftezehrend, und das viele Bier am Vorabend war auch nicht hilfreich. Ich habe mich in aller Ruhe durch die Gänge geschlängelt und die Zeit genossen. 

An allen möglichen Ständen traf ich mal diesen, mal jenen Bekannten. 

Einen Stand fand ich außergewöhnlich schön, weil er so eine gediegene Wohnzimmerathmosphäre versprühte. Moews hieß der Betreiber. 

Ich hatte gerade mit Oll darüber geredet, dass ich gerne einen 5E3 hätte, mit nur einem Kanal und Master Volumen. Und genau so einen Amp gab es bei Moews. Ein unglaublicher Verstärker. Ein Gast saß gerade mit einer Strat auf dem Stand und spielte über den Amp. Alle Umstehenden waren schwer begeistert. Als der Spieler sich ganz bescheiden verabschieden wollte, sagten alle: "Oh nein, spiel doch noch ein wenig". Das hat er dann auch gemacht. Glücklicher Weise. Es klang mit der Tele genau so toll wie mit der Srat. 

Natürlich waren viele Sachen von erlesener Schönheit. Ein Beispiel war für mich diese große halbakustische Gitarre von Hahl. Ich stehe auf gute Handwerkskunst, schöne Materialien und gelungene Formen.

Die Gitarrenbauer sind ja aber auch  recht verwegen. An jedem Stand sagte der Betreiber:  

" Kannst du gerne mal probieren. Ist ja ein Instrument. Muss man spielen." Ich habe mich immer nett bedankt und bin ohne zu probieren weiter gezogen. Einige ließen nicht locker. Der Herr Schwung zum Beispiel. Er hatte natürlich auch sehr schöne Gitarren am Stand.

Er drückte mir die Gitarre quasi in die Hand und erläuterte mir die Besonderheiten der Schönen. "Probier sie gerne aus". Ich sagte: "Ok, aber ich spiele mit Metall Fingerpicks". "Oh" sagte er. "Naja, ich habe hier eine geagedte. Vielleicht lieber die?" Ich sagte: "Du, das Aging mache ich doch selber" 

Ich habe nur sehr kurz und ganz zärtlich probiert. Ich wollte ja nicht das Aging ruinieren.

Wirklich gefreut hat mich das Treffen mit Chris Rübezahl Weißenfels. Er baut ganz phantastische Tonabnehmer. 

Chris baut mir die PUs für meine Paddelgitarren. Zu gegebener Zeit werde ich berichten. Ich hatte sogar ein Foto gemacht  von Chris und seiner Frau, die zusammen Rübezahl Tonabnehmer betreiben. Dummer Weise sind meine Qualitäten als Fotograf absolut grottig. Das Bild ist völlig verwackelt. Darum gibt es hier nur ein Foto der ausgestellten Rübezahl Tonabnehmer. Leider.

Abendessen mit Steffen und Oll, zweiter Tag Ende. Gespräche mit netten Leuten über gemeinsame Interessen sind doch große Klasse.

Sonntag

Der dritte und letzte Tag des Guitar Summit 2019. Ich habe sogar Sightseeing gemacht. Voll den Touri gegeben, mit Kamera und Sehenswürdigkeiten und so. Hier der Mannheimer Wasserturm. Ist ja auch mal schön. 

Viel wichtiger aber ist, dir noch Werner Wende und Frank Pampel vorzustellen. Am Sonntag Morgen bin ich extra früh in die heiligen Hallen gepest, weil ich unbedingt mit den beiden ausführlich reden wollte.

Frank Pampels Stand war mir aufgefallen, weil er einer der wenigen Anbieter von Lapsteel Gitarren war. Unter dem Namen Wildwood Guitars baut Frank Pampel Gitarren, die an die schönen alten Modelle der 50er erinnern, Lapsteel und alle möglichen Sonderanfertigungen. 

Sehr gelungen, möchte ich sagen. Teilweise ziemlich aufwändig mit schön gefügten Hölzern, teilweise sehr schlicht. Stehen ganz oben auf meiner Wunschliste.

Zwischendurch spielte Frank auf einer gelben Doppelhals Lapsteel. Kann er gut, finde ich. Man kann ihn bei The Wildwood Boys und bei den Waikiki Riders hören. 

Frank ist mal wieder ein sehr gutes Beispiel dafür, dass es nicht ausschließlich den amtlichen Meistern gegeben ist, tolle Instrumente zu bauen, denn Frank ist gelernter Zimmermann. Er wollte einst eine Hawai-Gitarre haben, die es aber passend nicht gab. Also hat er sich eine gebaut. So die Kurzfassung der Geschichte. 

Ich fand es sehr angenehm und unterhaltsam mit Frank über Wildwood Guitars zu reden, denn er weiß viel über Lapsteel und kann gut über sie erzählen.

Im Gespräch scheint Frank Pampel eher ein Mann der leiseren Töne zu sein.

Werner Wende wirkt dagegen eher etwas polterig. Ich kannte ihn schon aus einigen Facebook-Gruppen und wir haben einige gemeinsame Bekannte. Werner Wende ist der Betreiber von Nazangi Stromgitarren.

Mir war diese schnuckelige, kleine Gitarre ins Auge gefallen, die da bei Werner auf dem Tisch lag. 

Sie heißt Tento, ist eine Hollowbody und wird mit einem Rübezahl Tonabnehmer abgenommen. 

Dieses Schmuckstück schien genau für mich gebaut zu sein. Ich durfte sie probieren, ohne dass Werner Angst um sein Aging hatte, und sie passte perfekt zu mir. Der Hals war kräftig, aber vom Baseballschläger weit entfernt. Die Einteiler-Bridge fühlte sich satt an, ihr Körper schön klein und leicht. Mit zunehmendem Alter lernt man die Kleinigkeiten ja immer mehr zu schätzen, finde ich.

Die anderen Nazangi Gitarren gefielen mir auch, aber sie waren eine ganz andere Baustelle. Sie waren größer, glänzender, einfach mehr Gitarre.

Es war die Tenta, die mein Herz eroberte.

Da Werner und ich uns prächtig unterhalten haben und ich viel Spaß bei ihm und seinen Gitarren hatte, habe ich ihm eine Geschichte im Gitarrentalk versprochen. Hier ist schon mal der Link, aber ich werde noch ein paar Tage brauchen, bis sie fertig ist. Unter Talk/Nazangi werde ich ausführlich über Werner Wende, Nazangi und Törn berichten. Ich sage Bescheid, wenn es soweit ist.

So ging auch der dritte Tag des Guitar Summit 19 zu ende.

 

Schnell noch ein Abschieds-Selfie mit Cuba Pete, großes Tschüß

allerseits, gute Wünsche und ein paar letzte Blicke auf eine wunderbare Messe, die zwar alle möglichen Sachen zum Gitarre spielen ausstellen und vorstellen soll, die aber allmählich auch zum jährlichen Treffpunkt einer zusammenwachsenden Community wird. Beides ist großartig. 

 

Vielen Dank für´s Lesen

Dein Jansson

Hier sind noch ein paar Bilder, die ich im Hinausgehen gemacht habe.