GUITAR SUMMIT 2018



Heißt es der Guitar Summit oder die Guitar Summit?

Ich habe mich in den vergangenen Wochen der Vorfreude darum bemüht, die Messe DER SUMMIT zu nennen, aber es fühlt sich einfach falsch an. Aus dem Stand würde ich stets „DIE

GUITAR SUMMIT“ sagen. Eben die Guitar-Summit-Messe.

 

Es war schon lange geplant, dass ich die Summit auch in diesem Jahr besuchen würde. Nachdem ich 2017 nur für einen Tag bleiben konnte, wollte ich das Spektakel dieses Mal zwei Tage genießen. Und wirklich, das habe ich. Ausgiebig, bis ich satt war.

Am Samstag Morgen habe ich mich also auf die Reise gemacht, Gattin und Couch verlassen und einen wunderbaren Wochenendtrip gestartet.

Erste Etappe: Centro Hotel Augusta. Das Hotel kann ich empfehlen. Das Zimmer war sehr gut, alles schön sauber, mit einem beqeuemen Bett. Eine Flasche Wasser auf der Anrichte, die Tüte Gummibärchen auf dem Kopfkissen. Das Personal war super freundlich, das Frühstück viel abwechslungsreicher, als ich es mir daheim auftischen würde. Dazu ein Platz in der

Tiefgarage, das ganze ca. 800 Meter von der Messe entfernt. Großartig. Ein guter Start.

Zweite Etappe: Rosengarten. Die Pforten der Guitar Summit 2018:

Ein Gewühl aus Menschen tummelte vor dem Eingangsbereich, alle warteten auf Einlass, aber es war bei allem Gedränge entspannt. Kein Geschiebe und Gedrücke, einfach locker durch den Engpass. Wenn es doch überall so leicht wäre. Karten hatte ich dank Andy Ebsen von der Effekt-Boutique schon, für alle drei Messe-Tage. Blaues All-Inclusive-Band ums Handgelenk, Rucksack zeigen und ab ins Vergnügen.

Der Rosengarten ist schon ein imposantes Bauwerk. Außen hohe Säulen und lateinische Runen an den Wänden, Würde und Gediegenheit ausstrahlend.

Im Foyer geht es ein paar Stufen herauf, direkt auf einen riesigen Stand mit allerlei

lockenden und zirzenden Gitarren zu, die einladend beleuchtet und verführerisch zur Schau gestellt an Messestand-Wänden hingen. Gleich zum Start schon ein GAS-Anfall? Das geht ja gut los.

So richtig zum gasen bin ich aber gar nicht gekommen. Es war einfach zu viel Input. Überall gab es Highlights zu bestaunen, eine Attraktion jagte die nächste. Ich bin die erste Stunde beinahe orientierungslos hin und her gelaufen und habe mal hier gestaunt, mal dort gesabbert. In der einen Ecke eine tolle Gitarre, in der anderen super Dieses oder klasse Jenes.

Dazwischen irgendwelche Leute, die ich nur online kannte. „Ey, bist du Jansson?“ „Ja, wer bist du?“ „...ach, wie schön, so trifft man sich auch mal persönlich...ich habe das Video von dir

gesehen...ich habe deinen Blog gelesen...gehst du heute Abend zum Konzert?...viel Spaß noch“. Ich kam mir vor wie eine Hummel, die planlos von einer duftenden Blüte zur nächsten hummelt. Hoffentlich habe ich nicht selbstvergessen vor mich hin gebrabbelt.

Allmählich kam ich wieder zur Besinnung, der Aussteller-Plan half mir, mich zu orientieren. Also erst einmal in der ersten Etage herum gucken. Ich hatte ja genug Zeit. Entpann' dich, Alter. Du hast den ganzen Tag, und morgen auch noch, wenn du willst.

Verdammt, ich habe bestimmt doch gebrabbelt.

Auf zu Duesenberg. Die Duesis residierten in einer Lounge. Sehr gediegene Atmosphäre. Getäfelte Wände und Gitarren in Vitrinen an der Wand. Edel, aber nicht etepetete.

Hier wirkte Heinz Rebellius. Der war dringend der Erste, den ich heute treffen wollte. Schließlich kennen wir uns gefühlt schon ewig, haben schon einiges miteinander erlebt, und wir betreiben zusammen den Online Shop Guitar-Wash. Heinz zu sehen tut mir immer gut.

Mehr als eine kurze Begrüßung war im Moment nicht drin, denn Kunden forderten seine Aufmerksamkeit.

Dann bin ich natürlich bei Reverb hängen geblieben. Da waren die Sofa-Jam-Jungs zu finden. Fabian und Fabian. Ich blieb eine Weile, hielt ein wenig Smalltalk mit den Sofa-Jungs und den Reverb-Leuten. Alle waren sehr beschäftigt, nahmen sich aber immer wieder Zeit für ein paar Worte. Es stellte sich heraus, dass die Jungs von Reverb auch alte Online-Bekannte waren, mit denen ich über die Facebook-Gruppen schon einige Male zu tun hatte.

Fabian Teeske hatte es übernommen, uns einander vorzustellen. „Ach, du bist das!“ Visitenkarten ausgetauscht, „Schau mal vorbei“, „Ja, das werde ich auf jeden Fall machen“.

Reverb geht ja online etwas forsch zu Werke, finde ich. Das ist manchmal gar nicht so mein Ding, aber der Erfolg gibt ihnen Recht. Wenn Reverb-Leute in meinen Facebook-Gruppen eine Aktion posten wollten, haben sie immer freundlich gefragt und sich mit uns Admins abgesprochen. Auf dem Stand die Leute leibhaftig zu erleben hat mich jedenfalls sehr gefreut.

Ich lustwandelte noch eine Weile herum, um dann die zweite Etage zu erobern . Die ersten Pedale kamen in Sicht.

Ich enterte den Stand von Sascha Greuter, der sich den Platz mit Vuorensaku Guitars teilte.

Saku Vuori ist ein unheimlich netter Typ. Groß, bärtig, Finne. Wir hatten uns im letzten Jahr schon kurz getroffen. Ich: „Hi, schön, dich zu sehen, Wie geht es dir?“

Er: „Oh, hi, gut, und dir?“ Alles auf englisch, beiderseits nicht gerade akzentfrei. Ich sah Saku an, dass er sich nicht erinnerte. Das hätte mich auch sehr gewundert, denn unsere Begegnung auf der ersten Summit war sehr kurz, für ihn eine von tausenden an dem Tag. Aber ich habe mir den Spaß gegönnt und ihn einen kurzen Moment zappeln lassen. Das Nicht-Erinnern stand ihm in kleinen Schweißperlen auf der Stirn geschrieben. Er blickte leicht beunruhigt von einer Seite zur anderen und rettete sich dann:

„I remember you“. Ich antwortete: „No, you don´t“. Er:“ But i try to“. Herrlich, wie sehr er sich danach entspannte. Wir hatten in den zwei Tagen viel Spaß miteinander. Seine Gitarren gefielen mir schon vor einem Jahr gut. Die Form, der gekehlte Rand des Bodies und

die rustikale Farbgebung treffen genau meinen Geschmack. Saku spricht von jeder einzelnen seiner Gitarren, als würde er von guten Freunden erzählen. Es macht Spaß, ihm zuzuhören und dabei sein begeistert strahlendes Gesicht zu sehen.

Tobi Kern war ebenfalls an dem Stand, aber sowohl Sascha als auch Tobi waren mit Kunden beschäftigt, also zog ich erstmal weiter.

Thimble Slides wurden nur einige Meter weiter vom Erfinder Cole Coleman persönlich ausgestellt.

Ein paar Tage zuvor gab es im Slide-Club, der einzigen, wunderbar kleinen Facebook-Gruppe, deren Admin ich noch bin, eine Frage nach den Thimble Slides. Das war ja jetzt die perfekte Gelegenheit, sich die Dinger genauer anzusehen. Sie sind wirklich gut für Leute, die auch mit Bottleneck auf dem Finger flexibel genug sein wollen, Saiten zu greifen. Cole hat ganze Arbeit geleistet. Offensichtlich hat er genau analysiert, wie das mit dem Greifen und dem Sliden funktioniert. Er hat die Timble-Slides diesen speziellen Anforderungen akkurat angepasst. Sehr gelungen, wie ich finde.

Die European Guitar Builder Ausstellung lockte mich. Guitar-Porn. Dafür sind wir ja hier.

Es gibt so viele großartige Gitarren, und es macht Freude, sie zu sehen. Mir gefielen fast alle. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch kein Verlangen nach einer neuen Gitarre entwickelt. Ich fühlte mich einfach wohl und war zufrieden, die schönen Instrumente zu bewundern.

Hier traf ich auch meine langjährige Freundin Zita Martine. Zufall, denn wir waren nicht verabredet. Zita und ich kennen uns schon lange. Wir haben einige große Facebook-Gruppen lange gemeinsam administriert. Es war klasse, sie zu sehen.

Wir besuchten gemeinsam Torsten Preuß.

Den wollte ich auch schon lange mal kennenlernen, denn auch mit ihm hatte bisher nur online Kontakt. Ein paar Geschäfte hier, ein paar Tauschereien dort. Es ist eigentlich ja auch nicht schlimm, wenn sich der Kontakt auf Mails und hin und her geschickte Päckchen beschränkt. Praktisch eben, und zweckdienlich. Aber ich habe es sehr genossen, den Meister persönlich zu treffen. Wir haben uns ein wenig über Handwerk im Allgemeinen unterhalten, über das Gitarrenbau-Handwerk im Speziellen, über Holz, über...was man eben

so redet. Es gefällt mir, mich mit Leuten zu unterhalten, die ihr Handwerk verstehen. Solche Leute vermitteln Wissen, das sie durch eine fundierte Ausbildung erworben und durch viel Erfahrung vertieft und erweitert haben. Kein Gelaber, das aus irgendwelchem stumpf nachgeplappertem Zeug besteht. Obendrein war es eine nette Plauderei mit einem unheimlich freundlichen Zeitgenossen. Torsten zeigte uns seine Telecaster, die er oft für Projekte an Musiker verleiht. Die spielen sie eine Weile, bringen sie wieder zurück und lassen sich dann von Torsten eine maßgeschneiderte Gitarre bauen. Das sei irgendwie so eine Art Umlauf-Gitarre, erzählte Torsten. Die kommt immer wieder zu ihm zurück.  Das ist doch gut so, finde ich.

Zita und ich zogen weiter und bestaunten Gitarren. Interessant war der Bassart-Stand. Komisch, dass mir Bassart nie so richtig ins Bewusstsein gelangt war. Dabei bauen die richtig tolle Gitarren. Eine habe ich angespielt. Eine Schönheit namens Roaddog. Decke in Midnight blue, TV-Jones, Duesenberg Tremola. Eingeleimter, kräftiger Hals aus Mahagonie. Getschig, aber nicht so filigran. Fett. Erstes Begehren wurde spürbar.

Eine schöne Story ist meine Begegnung mit Peter Bursch. Peter hatte in einem seiner Bücher geschrieben, dass das Gitarre spielen dem Gesang gegenüber immer Vorrang hätte, das Singen würde dann schon irgendwie gehen. Sinngemäß jedenfalls.

Ich sagte. „ Hi, Peter, ich habe deine Bücher geliebt, aber dieser Satz, dass die Gitarre immer wichtiger ist als der Gesang, war nicht der beste Rat, und es hat mich Jahre harten Übens gekostet, mir diesen Fehler wieder ab zu trainieren.“ Er antwortete: „ Och, naja, ich gebe aber nachher auch noch einen Anfänger- Workshop. Wäre

super, wenn du dabei sein willst. Und wenn du noch Fragen zum Gitarre spielen hast, kannst du dich gerne an mich wenden.“  Danke Peter. Das ist nett von dir.

Ganz im Ernst, ich glaube, es gibt wenig Menschen, die mehr andere Gitarristen beeinflusst haben als Peter Bursch. Das ist eine echte Leistung. Es war lustig, diese eine, einzige Kritik nach beinahe 35 Jahren anbringen zu können. Leider gab es keine gute Gelegenheit für ein Foto vom leibhaftigen Peter, darum musste dieser Pappkamerad herhalten.

In der dritten Etage fand ich endlich die Pedal-Show. Alte Bekannte wie Andy Ebsen von der Effektboutique, Cuba Pete von Demon Pedals und Enrico Preuß zum Beispiel.Und wieder viele

Leute, mit denen ich zum ersten Mal persönlich zusammentraf, wie Joki Schaller von Lehle und Heiko Okko.

Ich habe die Gelegenheit genutzt und Heiko gefragt, was seiner Meinung nach der Unterschied sei zwischen seinem Power EQ und dem Vahlbruch BBQ, über das ich ja neulich im Gitarrentalk berichtet hatte. Heikos Antwort: „Wohl gar keiner. Vielleicht greifen die Frequenzen hier oder da etwas anders an, aber das dürfte sich im homöopathischen Bereich abspielen. Beim Vahlbruch ist der Buffer schaltbar, beim Okko nicht“. Toll. Jetzt brauche ich also auch noch einen Okko Power EQ.

Selbstverständlich habe auch ich ein Foto von dem wohl meistfotografierten Pedal der Messe gemacht. Ratet mal, von welchem Pedal ich spreche. Kleiner Tipp: Es ist ein steinalter Diabolo, der unter einer Glasvitrine auf einem güldenen Kissen ruht. Ich glaube, Heiko hatte sogar irgendwo geschrieben, dass das der Diabolo Nr1 sei. Vielleicht liest Heiko ja diese Geschichte und klärt uns nochmal auf, was genau es mit diesem Diabolo auf sich hat.

Abends bin ich mit einer Horde von pedalisierenden Gitarrenmenschen essen gegangen. Tobi Kern hatte bei einem spanischen Restaurant einen Tisch für 30 Leute bestellt, wir waren

aber wohl eher um die 40. Alle entspannt, es gab keinen Stress, es gab nur gutes Essen, Bier und jede Menge Spaß.

Steffen Brückner, den ich endlich kennenlernen konnte, war dabei. Es kam mir vor, als würden wir uns schon lange kennen.  In unangenehmen Zeiten als Admin haben Steffen und Tobi mir oft per PN den Rücken gestärkt, und ich bewundere Steffen als Slidegitarrist.

Seine Videos sind die besten, und irgendwann werde ich Gelegenheit haben, Mrs Greenbird zu erleben.

Daniel Querner von Dandrive war da. Ich erinnere mich sein Tweedy, ein wunderschönes Pedal, von dem ich irgendwo gelesen hatte. Wollte ich immer haben, gab es aber nicht mehr, oder ich hatte kein Geld. Ist schon lange her.

Es waren viel zu viele Leute, um sie namentlich aufzuzählen. Allein dieser Abend war schon die Reise wert. Ein großartiger Abschluss für einen großartigen Tag.

Superkalifragilistischexpialigetisch, sozusagen.

Am Sonntag Morgen gutes Hotel-Frühstück, reichlich Kaffee und auf in die zweite Runde

Guitar Summit. Heute wollte ich auf Fotosafari gehen, denn am Samstag hatte kein einziges Bild gemacht. Das hatte ich völlig vergessen.

Ich habe also einen Rundgang gestartet und alle möglichen Leute und ihre Stände fotografiert. Selbstverständlich habe ich für jedes Bild eine Einverständniserklärung mündlich unterschreiben lassen, dass ich es verwenden darf.

Beim Fotografieren habe ich mich von den meisten Leuten verabschieden oder einfach nochmal ein paar Worte schnacken können. „   Und? Wie hat es die gefallen?“ Super, und

dir?“ „Sehen wir uns im nächsten Jahr wieder?“ „Das hoffe ich doch“ „Gute Heimreise“

Zu guter Letzt hatte ich dann doch noch einen kleinen GAS-Anfall. Auf der dritten Etage, bei den Akustischen, gab es nämlich den Stand von Recording King. Am Samstag war da zu

viel los, um eine Gitarre zu probieren, aber heute war es schön leer. Ich habe mich mit Scott Thompson unterhalten, der Recording King für Deutschland vertreibt. Irgendwie hat er mich überredet, doch mal eine seiner Gitarren zu spielen. Ich wand mich etwas. Ich könne doch sowieso keine kaufen und so. „Macht nichts“ sagte Scott. „Einfach mal testen“. Na gut. Ich kramte also meine Fingerpicks aus der Jeans und griff mir eine Resonator aus Blech,

verchromt glänzend, mit Gravuren veredelt. Hübsch, schwer und laut. Es gab auch eine Reso mit hölzernem Body. Die gefiel mir schon besser. Nicht so laut wie ihre blecherne Schwester, aber viel wärmer, ausgeglichener, nicht so ballerig. Dann habe eine kleine Parlor gespielt. Die war super. Nicht so voluminös wie eine große Jumbo, aber auch nicht so merkwürdig lahm wie diese. Ihr Attack erinnerte mich etwas an die Telecaster. Knackig. Schön schnell und direkt. Für meine Art Fingerstyle wie geschaffen. Scott wusste echt Bescheid mit seinen Gitarren, und er fand genau die heraus, die zu meinem Spiel am besten passte.

Ein Schlingel, der gute Mann. Jetzt spare ich auf eine Recording King. Aber es war eine schöne kleine Session. Hat Spaß gemacht, und man muss ja immer neugierig bleiben, nicht wahr? Das war für den Sonnt5ag dann auch ein guter Abschluss.

Gesättigt, befriedigt und etwas müde verlies ich die heiligen Hallen der Guitar Summit und fuhr heim. Schön mit 80 Sachen über die Landstraßen getrödelt, die Autobahn war mir

jetzt einfach zu hektisch. Ich hatte ja nur 90 Kilometer zu fahren.

Daheim ist es am schönsten, aber die zwei Tage auf der Guitar Summit haben sich absolut gelohnt. Ich habe bekannte Sachen wiedergesehen und neue entdeckt. Leute getroffen,

Smalltalk gehalten und Geschäfte gemacht. Viel gehört und viel gesabbelt.

Zwei Tage nur Gitarren im Kopf zu haben kann ein wenig wie Urlaub von sich selber sein.

Jemand sagte, die Guitar Summit sei wie ein Klassentreffen. Stimmt auch.

Ich freue mich schon auf die Guitar Summit 2019. Vielleicht sehen wir uns dann ja.

Vielen Dank fürs Lesen

 

Euer Jansson